Einleitung

Die Sagen wurden zusammengestellt von Günther Wytopil jun. und entstammen aus der Sammlung von ehemaligen Vertriebenen und Heimatfreunden aus dem Adlergebirge. Sie sind aufbewahrt im Verein der Adlergebirgler in Waldkraiburg.

Soweit die Verfasser bekannt sind, wurden sie zu den einzelnen Sagen erwähnt.

Das "Schenkakreuz" auf dem Rokitnitzer Pfarrberge / Dir. Hanisch (Sage aus Rokitnitz)


Es war zur Zeit des schrecklichen Dreißigjährigen Krieges. Damals lebte in Rokitnitz ein reicher "Schenke" (Gastwirt}, namens Netolitzky. Er war nicht nur Inhaber der gutgehenden Schenke, sondern besaß auch eine große Wirtschaft am Abhange des "Pfarrberges". Zu ihm kamen einmal ein paar Mitbürger, die ebenso wie er selbst, Angst um ihr mühsam erspartes Geld hatten, und fragten ihn um Rat, wo sie ihre Wertsachen verstecken sollten. Er machte ihnen den Vorschlag, sie sollten das Geld auf seinem Grundstücke vergraben. Er wollte es daselbst auch tun. Mit diesem Vorschlage erklärten sich alle einverstanden. In den frühesten Morgenstunden des folgenden Tages vergruben sie alles Wertvolle auf dem Pfarrberge. Es war aber auch die höchste Zeit gewesen, denn wenige Stunden später zog der schwedische Rittmeister Berla mit einer Kompanie im Städtchen ein. Er gab seinen Leuten die Erlaubnis, in den Wohnhäusern nach Geld zu forschen. Als die Soldaten ihrem Rittmeister meldeten, dass sie vergebens gesucht hätten, ordnete er ergrimmt den sofortigen Aufbruch und Weitermarsch nach Senftenberg an. Für dieses mal war Rokitnitz von den Feinden verschont geblieben. Der auf's höchste erfreute "Schenke" Netolitzky ließ aus Dankbarkeit für die glückliche Errettung aus Feindesgefahr an jener Stelle wo die geängstigten Bürger ihr Geld vergraben hatten, ein steinernes Kreuz errichten, das "Schenkakreuz".

Das "Schenkakreuz" / (Sage aus Rokitnitz)


Im 17.Jahrhundert herrschte in der hiesigen Gegend arge Hungersnot. Zwar besaßen die Leute Geld genug, doch nützte es ihnen wenig, so dass sie es gerne in Brot umgetauscht hätten, wenn solches käuflich gewesen wäre. Da brachten die Leute all ihr nutzlos gewordenes Geld zusammen und vergruben es am "Pfarrberge". Der Besitzer des Grundes, wo das geschah, errichtete über dem Schatze als Bittzeichen ein Kreuz. welches allgemein "s Schenkakreuz" genannt wird, da sein Erbauer ein Gastwirt oder Schenke war, wie es seine Nachfolger im Besitze noch heute sind. Als die Hungersnot vorüber war, errichteten die Bewohner am Abhange des Stadtberges, unweit der Stadtmühle, dem "Schenkakreuz" gegenüber, als Dankeszeichen abermals ein Kreuz. Noch heute zieht an den Bitttagen jung und alt zu diesen Denkmälern.

Die Sage vom Glockensumpf / (Sage aus Oberdorf)

In Oberdorf stand an den sogenannten "Weichen",  auf dem Grunde der Wirtschaft Nr. 1,  vor alten Zeiten eine Kapelle, deren Türmchen eine Glocke barg. Zur Zeit eines Krieges, der auch in dieser Gegend wütete, wurde das Glöcklein jedesmal von den Bewohnern geläutet, wenn Feinde nahten, damit alle rechtzeitig fliehen konnten. Einmal zerrte man so mächtig an den Glockensträngen, dass sich die Glocke losriss und über das Kapellendach hinab in den Sumpf stürzte und versank. Schon oft wollen nächtliche Wanderer an der Stelle kleine Lichter gesehen haben. Beim Nähertreten verschwanden sie, wobei nicht selten der Neugierige im Sumpf einsank und in Lebensgefahr geriet. Heute ist die Kapelle zerfallen. Der Sumpf aber heißt noch jetzt "dr Glockasomp".

Die versunkene Glocke in den Oberdorfer "Weichen" / Ol. Rulc (Sage aus Oberdorf)

 

Als das herrschaftliche "Kalte Vorwerk" noch stand und ein Teil der "Ober-Rokitnitzer" auf diesem Herrnfelder Herrschaftshofe roboten mussten, waren die sogenannten "Weichen" in Oberdorf noch ein ausgedehnter, tiefmooriger Boden voll seltener Kräuter, Farne und Moose. Waldbäume standen nur vereinzelt um diesen Sumpf. Die Menschen mieden den schaurigen Ort. Im Dreißigjährigen Kriege drangen Schwedenscharen bis in die Nähe dieser ungastlichen Stätte. Aus Angst vor Plünderungen trieben die Oberdorfer ihr Vieh in den Wald bei den Weichen, in deren Schlupfwinkeln sie ihre Habseligkeiten und auch die Dorfglocke vergruben.

Als die geängstigten Dorfbewohner wieder einmal zu den schwer zugänglichen Weichen kamen, war die Glocke verschwunden. Niemand konnte den Ort richtig angeben, wo man sie verborgen hatte. Das Moorland hatte die Glocke verschlungen und hält sie auch heute noch verborgen.

Jetzt noch heißt dieses Gebiet "Mannels Weichen", obzwar der Sumpf von dem Besitzer Mannel entwässert worden ist.

Die Sage vom Rokitnitzer Stadtwappen

An der Stelle des Ringplatzes zu Rokitnitz, auf der heute die Mariensäule prangt, stand vormals ein mächtiger Lindenbaum. In seinem Schatten rauschte damals ein hölzerner Rohrbrunnen, der von Frauen und Mädchen, von marktziehenden Händlern aufgesucht wurde, weil er allein das einwandfreie kühle Nass für Haustrank und Haustiere spendete. Warme "Suchailuft" brütete über dem Städtchen, die Frauen, Kinder und alten Leute saßen im Schatten ihrer vorspringeden Laubenholzhäuser, die im Geviert den grünenden Ringplatz einsäumten. Sommerstille und Blütenduft der gottgesegneten Marktlinde - Bienensummen, Kinderspiel und lachender Sommerhimmel. Niemand achtete daher auf den braunen Gesellen, der vom "Bratergaßla" her schnuppernd auf die scheinbare menschenleere Ringplatzmitte zutrottet, wohlig den honigschweren Duft der Marktlinde einziehend. Am Rohrbrunnen schwatzten etliche Hausfrauen; plötzlich kreischten sie erschreckt auf, als sie des zum Greifen nahen mächtigen Braunbären ansichtig werden - und flüchten ohne Krüge und Eimer ihren schützenden Behausungen zu.

Meister Braun verharrt erschreckt, aus seinen süßen Träumen jäh erwacht - trabt nun mit wenigen Sprüngen der schützenden Linde zu, als er, inmitten menschlicher Siedlungen, seine Notlage erkennt. Doch da stürmen aber auch schon zwei beherzte Schlossknechte in Ringelhemd, Koller und Schaller mit ihren Saufedern heran, den seltenen Besucher zu erjagen. Meister Petz merkt sofort die Bedrohung - und versucht die lockende Krone der Linde zu erklimmen. Zu spät! In halber Stammeshöhe ereilen ihn noch die todbringenden Lanzen, ehe er sich zur Wehr setzen kann. Als sich das Städtchen später Wappenzeichen und Siegel zulegen durfte, erinnerte man sich gern dieser Begebenheit und hielt sie im Wappenbilde für kommende Zeiten fest.

Das Wappen der Stadt Rokitnitz

Das Rokitnitzer Stadtwappen zeigt einen mächtigen Lindenbaum auf grünem Wiesengrunde. An dem Stamme klettert ein Bär hinauf. Zwei Männer in mittelalterlicher Tracht erlegen mit ihren Spießen das gewaltige Tier. Über die Entstehung dieses Wappens erzählt die Sage folgendes:

Zu alter Zeit war jene Gegend mit dichtem, undurchdringlichem Walde bedeckt, in dem Auerochsen, Bären, Wölfe und andere Wildtiere hausten. Der Beginn der Ansiedlung geht auf Maßnahmen der Reichenauer Gutsherrschaft zurück, welche um das Jahr 1260 Holzfäller, Scheithauer und Köhler zur Rodung des mächtigen Grenzwaldes entsandte. Am Rande einer günstig gelegenen Waldwiese wurden die ersten Holzhütten errichtet, womit der Anfang des Ringplatzes und Städtchens Rokitnitz gegeben war.  Der Wald in weitem Umkreise wurde gefällt, gerodet und in fruchtbaren Ackerboden verwandelt. In der Mitte des Platzes, dort wo die im. Jahre 1771 von der Rokitnitzer Grundherrschaft Nostitz errichtete Mariensäule steht, wuchs damals ein mächtiger Lindenbaum, unter dessen Krone sich jung und alt je nach Zeit und Gelegenheit zu versammeln pflegte. So saßen eines Tages die Männer in lebhaftem Gespräch beisammen, als sie plötzlich einen mächtigen Bären aus dem nahen Walde auf sich zutrotten sahen. Sofort sprangen alle auf, um möglichst schnell eine schützende Behausung zu erreichen. Zwei beherzte Männer traten, mit Lanzen bewaffnet, dem Bären entgegen. Dieser suchte sich auf die Linde zu retten, hatte bereits einen Teil des Stammes erklettert und wurde dort von den beiden Männern erlegt.

Als Rokitnitz 1852 zur Stadt erhoben wurde, wählten die Bürger das geschilderte Ereignis zum Wappenzeichen der Stadt.  

Die Rokitnitzer Herrschaftsgrenze / (Sage aus Rokitnitz)

Vor Zeiten stritten sich die Herrschaftsbesitzer von Rokitnitz und Senftenberg um die Grenze ihres Besitzes. Endlich beschlossen sie, an einem festgesetzten Tage bei Sonnenaufgang, von ihren Wohnsitzen aus einander entgegen zu reiten.  Die Grenze sollte da sein, wo sie sich treffen würden.

Am festgesetzten Morgen ritt der Senftenberger aus, ritt und ritt, und kam bis zur sogenannten "Spitz", dem äußersten Hause von Rokitnitz, das gegen Senftenberg zu gelegen ist. Niemand begegnete ihm. Da schickte er einen Boten zum Rokitnitzer Schlossherren und ließ fragen, ob er ihm die Grenze vor oder in das Schloss setzen solle. Der Rokitnitzer hatte nämlich den Wettritt verschlafen, und musste froh sein, dass er die Grenze vor seinem Schlosse belassen erhielt.  

Eine Ostersage vom "Hüttenstein" im Wenzelhauer Walde /Ol. Rulc
(Sage aus Rokitnitz)

 Im Wenzelhauer Walde ragt ein ganz merkwürdiges Steingebilde empor, das von Fichten, Tannen und Buchen umstanden wird und wegen seiner eigenartigen Form den Namen "Hüttenstein " erhielt. Dieses seltsame Felsgebilde ähnelt nämlich einer Hütte. Richtiger dürfte die Entstehung dieses Namens auf die Nähe der ehemaligen Glashütte auf der Liebentaler "Töpferwiese" zurückzuführen sein.

Heute zeigt man noch den alten "Hüttenweg", der unweit des Hüttensteines vorbeiführte. Die "Hüttenfichte", das Wahrzeichen der Ortschaft Herrnfeld erinnert an jene längst vergangene Zeit. Die Herrnfelder Gemeindechronik bringt den merkwürdig gestalteten Hüttenstein mit dem Leben und Erleben der Bewohnerschaft der genannten Gemeinde in innigste Beziehung.

Zur schrecklichen Zeit des Dreißigjährigen Krieges, als im Jahre 1634 die Schweden unter Führung des Generals Torstenson auch unsere weltabgeschiedenen Dörflein heimsuchten, flüchtete die Bewohnerschaft von Herrnfeld zum Hüttensteine. Dort verbargen die Leute die wenigen Kostbarkeiten, die sie ihr Eigen nannten; dort suchten sie mit Weib und Kind Zuflucht in dieser unsicheren Zeit. Es liegt auf der Hand, dass der Hüttenstein gar bald ein sagenumwobener Ort wurde.

Eine Ostersage sei hier wiedergegeben: Nur einmal in 100 Jahren, zu einer bestimmten Stunde, öffnete sich der Hüttenstein und ein kellerähnliches Gewölbe würde sichtbar. Mehrere Stufen führten hinab. Das anfängliche Dunkel erhellte ein verheißender Glast, den das hier liegende Gold ausstrahlte. Dieses sonderbare Gleißen fiel einem Kirchengänger auf, der sich den Hüttenweg zu seinem Kirchwege gewählt hatte. Es war Karfreitag. Kaum war der Mann näher getreten, vernahm er ganz deutlich die Worte: "Komm und raff! Komm und raff!" So erscholl es lockend aus dem unterirdischen Gewölbe. Der Kirchengänger stieg schnell die Stufen hinab und bereicherte sich an dem Goldschatze, wie ihm geheißen worden war. Sinnenberauscht, bemerkte der Mann nicht, dass sich der Hüttenstein schloss und ihm für volle 100 Jahre die Freiheit raubte. Als es dem Eingeschlossenen endlich glückte, zu entkommen, waren wieder die Ostern da. Er erwähnte, nur ein Jahr im Zauberbanne des Felsens geschlummert zu haben.

Wie schmerzlich war für ihn die Feststellung, dass ihn niemand mehr kannte. Selbst in seinem Vaterhause wurde er von ihm gänzlich fremden Leuten von der vertrauten Schwelle gewiesen.

Der Müller Tobias / nacherzählt von einer Herrenfelderin (Sage aus Niederdorf bei Rokitnitz)

In Niederdorf, unweit von Rokitnitz, stand einst eine Mühle. In dieser wohnte ein Müller, der Tobias hieß. Der Müller Tobias sah jeden Abend auf einer Stelle des Berges, der sich nahe bei der Mühle befand, einen lichten Schein. Um zu wissen, was dieses bedeutete, ging einst der Müller mit Hacke und Spaten zu der Stelle, wo die Erscheinung war, und grub dort in der Erde.

Thomascha Järche / nacherzählt von einer Herrenfelderin (Sage aus Mitteldorf)

Einst lebte in Mitteldorf ein Mann , der "Thomascha Järche" hieß. Einmal ging Thomascha Järche in den Wald um Pilze zu suchen. Es war ein heißer Tag, weshalb sich Järche ermüdet vom Herumstreichen in den Schatten legte und einschlief. Da träumte ihm, er schritte durch einen langen Gang zu zwei Fässern mit Gold. Daneben stand ein Hund, und bellte ständig: ,!!Järche raff ! Raff !" Järche folgte. Dann ging er in dem Gange weiter und kam in eine Stube. Hier las ein alter Mann aus einem dicken Buche folgendes: "In späteren Zeiten wird man aus der Wand einem Span reißen, welcher Feuer geben wird ! " Als Järche erwachte, ging er heim. Hier griff er achtlos in die Tasche und fand verbrannte Papiere drin.

Thomascha Järche / Johann Schade (Sage aus Rokitnitz und Mitteldorf)

 Dort, wo das Kronland Böhmen grenzt an den Glatzer Gau,

ragt unwirtlich ein Bergkamm als Mark gar steil und rauh.

Da jagt die braunen Fluten die Adler rasch dahin,

zum Mutterschoß der Elbe treibt sie ein reger Sinn.

Auf einem Hügelrücken am sanften Wiesenrand

ein ragend Schloss vor Jahren - in Trümmern heute - stand.

Im stillen Suchaitale weiß jedermann den Platz,

hochgewölbten Keller geborgen ruht manch Schatz.

Alljährlich am Karfreitag, wenn stumm der Glockenmund,

da spaltet sich der Hügel hernieder bis zum Grund,

solange am Altare der Priester betend (steht} fleht,

solange Schatz und Berg dem Sucher offen steht.

Da sitzt im hohen Saale auf steinerm Stuhl ein Greis,

das Buch auf seinen Knien gar viel zu melden weiß,

was heut' in seinem Schoße noch birgt der Zeiten Lauf,

der Alte kündet´s gerne, sucht man im Berg ihn auf. -

Einst wohnt' im Mitteldorfe ein sinnig-schlichter Mann,

Jörg Thomasch. war sein Name, gekannt von jedermann.

Viel hat der hier erfahren, viel ward ihm hier vertraut,

viel ist schon eingetroffen, was kundgetan er laut:

"Die Erde wird mit Reifen von Eisen einst umspannt,

man fährt mit einem Drachen gar schnell von Land zu Land.

Die Frauen tragen Hörner in Hoffart, stolz und toll,

drob zürnet selbst der Himmel!  Es drohet uns sein Groll.

Voll Hufeisen gepflastert im Herrnfeld wird die Straß;

ein Krieg in allen Landen vernichtet Laub und Gras.

Der Priester irret trostlos, ein Hirte ohne Herd´.

Verrichtet auf dem Baumstumpf sein heilig Opfer wert.

Der Herr erschlägt den Diener, der Diener seinen Herrn,

von Flammenglut der Dörfer erblassen Mond und Stern.

Was Mann, es eilt zum Streite, doch bleibet der zu Haus,

dess´ Heimat zwischen Erlitz gelegen und der Klaus'.

Und Böhmen wird zur Wüste, zerstört das goldne Prag,

der Fuhrmann weist dem Sohne den Ort, wo's einstens lag.

Doch dann erscheint der Friede, im Hut man Samen bringt,

die Flur trägt reichlich Früchte, von Menschenblut gedüngt." 

So sagt Thomascha Järche, der Seher, der Prophet.

Merkt, wie gar vieles stetig schon in Erfüllung geht!

Drum spottet nicht der Sage, schlimm ist fürwahr die Zeit: 

Leb't (so), dass ihr jede Stunde zur Rechenschaft bereit!

Tomascha Järche / Dir. Hanisch.
(Sage aus der Suchai - Rokitnitz)

In Mitteldorf lebte vor langen Jahren ein Junge, den seine Freunde Tomascha Järche (Georg Tomasch) hießen. Auch die Erwachsenen nannten ihn so. Eines Tages, es war gerade der Karfreitag, ging Järchla mit seiner Mutter, die in Senftenberg etwas zu besorgen hatte, durch die Suchai. Der Weg führte die beiden beim "wüsten Schlosse" vorbei.

Auf einmal öffnete sich der Burgberg Hradisko und ein langer Gang wurde sichtbar. Die Mutter nahm ihr Söhnchen bei der Hand und beide gingen in den offenen Gang hinein. Da gewahrten sie an seinem Ende einen großen, schwarzen Hund, der neben einem großen Fasse voll Gold saß. Seine Augen funkelten wie glühende Kohlen. Zornig bellend sprang das Ungetüm auf und wollte Mutter und Sohn den Weiterweg verwehren. Beide blieben ruhig stehen. Nach und nach hörte das starke Bellen des Hundes auf und Järchla vernahm die Worte: "Järchla, roaff, roaff !" Das ließ sich natürlich unser Järchla nicht zweimal sagen. Sofort stopfte er sich die Taschen voll Gold. Auch die Mutter nahm von dem Schatze, soviel sie nur unterbringen konnte, und beim Anblicke des vielen Goldes und dem fleißigen Raffen vergaß sie ganz und gar  ihren Järchla.

Auf einmal ertönte aus dem Innern des Berges ein heftiger Donner. Der schwarze Hund begann ganz jämmerlich zu heulen. Wahnsinnige Angst erfasst die Mutter und sie lief, so schnell sie nur konnte, dem Ausgange zu. Erst als sie im Freien angelangt war, vermisste sie ihren Jungen. Und im gleichen Augenblicke - ein schreckliches Krachen!  Die Mutter dreht sich um: Der Eingang ist verschwunden. "Järchla, Järchla! " ruft sie ganz verzweifelt. Doch den Knaben hat der Berg behalten.

Ein ganzes Jahr trauert die unglückliche Mutter um ihr Kind. Und wieder ist es Karfreitag. Ganz zeitig macht sich die Mutter auf den Weg zum Burgberge. Hier kniet sie nieder und fleht zum lieben Gott um ihr Järchla. Und siehe ! Der Berg tut sich auf und der lange Gang wird sichtbar. Und da erblickt sie auch ihren lieben Jungen, der ihr freudestrahlend entgegen läuft. Er erzählt der aufhorchenden Mutter, was er alles im Berge erlebt hat. Er will es nicht glauben, dass er ein ganzes Jahr im Berge verbracht hat. Was aber Järchla während seiner unfreiwilligen Gefangenschaft in einem alten Buche gelesen hat, ist in der "Prophezeiung Tomaschs Järches" niedergelegt.

Das wüste Schloss / nacherzählt  von einer Herrnfelderin (Sage aus Niederdorf)

Eines Karfreitags, als man in der Kirche die Passion las, ging eine Mutter mit ihrem Knaben durch die "Suchei". Sie kamen am "wüsten Schlosse" vorbei und sahen, dass ein Gang in dasselbe führte.
Verwundert gingen sie hinein und kamen zu einem schwarzen Hunde, welcher bei drei großen Fässern saß, die alle mit Gold gefüllt waren. Der Hund bellte ständig: "Raff ! Raff ! " Die Mutter tat also, vergaß aber dabei ihr Söhnlein. Auf einmal entstand ein Brausen und Donnern.

Dazu heulte der Hund: "Hock ! Hock ! "

Doch das Weib verstand nicht und eilte vor Schreck hinaus. Im Freien vermisste sie mit Schrecken ihren Knaben, lief zurück, konnte aber den Eingang nicht mehr finden, denn der Berg hatte sich geschlossen, da die Passion beendet war. Ein ganzes Jahr blieb das Kind im Berge. Am Karfreitag aber hörte es zur selbigen stunde an demselben Tage den Hund bellen. Da kam auch schon seine Mutter, und holte ihn aus dem Berge. Der Knabe erzählte, dass zu ihm, als er im Berge war, graue Männlein kamen und ihn bewirteten. Einst brachte ihm ein solcher Zwerg ein Buch und sprach: "Lies , aber blättere nicht darin ! " Doch die Neugier bezwang den Knaben und er sah ein wenig auf die andere Seite. Zur Strafe konnte er seit dieser Zeit nicht mehr gut reden. Der Knabe soll später der vom Volke viel gepriesene "Thomascha Järche" (Thomas Georg) gewesen sein. Aus dem Buche, das er bei den Zwergen gelesen, sollen seine berühmten Prophezeiungen herstammen.

Der Wenzelhauer Wassermann / Ol. Rulc (Sage aus Rokitnitz)

Als die ersten Häuschen in Wenzelhau (Ortschaft bei Rokitnitz} gebaut wurden, führte der Sternaubach noch reichlicher Wasser als jetzt. Damals hauste unter dem Brückensteine, der den genannten Bach auch heute noch überführt, ein Wassermann.

Eines Tages hatte dieser seine rote Jacke mit den goldenen Knöpfen auf das Brückengeländer zum Trocknen aufgehängt. Da kam ein Knabe des Weges. Dem stachen die funkelnden Knöpfe in die Augen. Schnell warf er ein paar Blicke ringsum. Da er niemanden gewahrte, zog er sein Taschenmesser hervor und schnitt mit dreister Hand die schönen Knöpfe ab. Der Wassermann musste diesem Gebaren ruhig zuschauen; denn er saß splitternackt inmitten der großen Pestwurzblätter. Als der Junge fort war, dachte der bestohlene Wassermann nach, wie er sich an dem kleinen Diebe rächen könnte.

Als am nächsten Tage der diebische Junge wieder zum Brückensteine kam, verwandelte sich der Wassermann schnell in einen schön-schillernden, feisten Fisch, dessen Lebhaftigkeit dem Knaben nicht entging. Sofort nahte er sich dem Wasser und griff beherzt unter den Stein, der den Schlupfwinkel des prächtigen Fisches zu bilden schien, um seiner habhaft zu werden. Doch aus dem schönen Fische war längst wieder der Wassermann geworden, der nun dem vornübergebeugten Jungen auf den Nacken sprang und ihn so unter die Wasseroberfläche drückte, dass der kleine Übeltäter erstickte.

Seitdem mag es wohl der Wassermann vorgezogen haben, seinen Standort zu wechseln. Wie andere Wassermannssagen zu erzählen wissen, treibe er nun sein Unwesen in der Suchei, einem Walde südlich von Rokitnitz.

Der boshafte Wassermann / Rokitnitz

(Aus "Deutsche Volkskunde aus dem östlichen Böhmen" von Dr. E. Langer - 1908)

In der Rokitenka, welche längst der Suchei (die Große und die Kleine Suchei ist ein großer Wald, welcher sich südlich von Rokitnitz bis in die Nähe von Senftenberg ausbreitet) bei Rokitnitz die Wiesen durchschneidet, haust der Wassermann. Von diesem wusste der Bindermeister Perschik aus Rokitnitz am besten zu erzählen, denn er hatte sich selbst von des Wassermannes Treiben überzeugt.

Perschik ging einst in die Rokitenka fischen. Das Glück war ihm hold, und bald hatte er sein Fässchen, das er zur Aufbewahrung der Fische mitgenommen, voll der schönsten Forellen. Perschik freute sich schon auf den guten Schmaus, steckte das Fässchen an seinen Stock, hing es über die Achsel und schritt wohlgemut seinem Heim zu. Da gab es ihm auf einmal einen Ruck, das Fässchen lag auf der Erde und von den darin befindlichen Fischen war nichts mehr zu sehen. Statt ihrer stieg der Wassermann aus dem fast ganz zerschlagenen Fässchen und brach in ein Hohngelächter aus, dass dem erschrockenen Binder die Ohren sausten und fast die Sinne vergingen. Der Wassermann schlug nun, immer noch hohnlachend, einige Purzelbäume bis zur Rokitenka, in der er alsbald verschwand.


 

Der Reiter ohne Kopf / Josef Rotter (Sage aus Rokitnitz)

Gleich dem benachbarten Riesen- und dem Altvatergebirge hat auch das Adlergebirge seinen Berggeist. Insbesondere in den höheren Gebirgslagen, auf denen sich unübersehbarer Wald ausbreitete, in dem im beißenden Rauch der Kohlenmeiler und bei schwerer, gefahrvoller Arbeit der Holzmacher und Holzrücker die Gebirgler gar kümmerlich ihr Brot verdienen, hatte sich der Glaube an den Geist der Berge lebendiger erhalten als in den Vorbergedörfern. Der am Kamm des Gebirges zwischen Mense und Hocheckicht führende "Reitsteig" war die Stätte, wo der unheimliche Schimmelreiter, der seinen eigenen Kopf unter dem rechten Arme trägt, zur mitternächtlichen Stunde öfter gesehen werden konnte. Es war nicht ratsam, diesem "Reiter ohne Kopf" zu begegnen. Grauen und Schrecken lähmten bei seinem Auftauchen die Glieder der Menschen, warf sie todkrank darnieder und selten stand einer, der des "Reiters ohne Kopf" ansichtig geworden war, wieder gesund von diesem Krankenlager auf.

In dem Adlergebirgsstädtchen Rokitnitz erzählten sich die Leute, dass sich dieser unheimliche Reiter zuzeiten in der herrschaftlichen Allee zwischen Schlosshof und dem Neuhof zur Gespensterstunde zeigte und insbesondere bei der uralten "Grendlalinde" (Gründellinde) sein Unwesen treibe. Ein geweihtes, an der Linde angebrachtes Marienbild, sollte den Ungeist bannen. Einst soll ihm hier ein Herrschaftsknecht aus dem Neuhofe begegnet sein. In Todesschrecken eilte er heim, verfiel in schweres Siechtum und starb nach kurzer Zeit.

Anders verhielt sich der "aale Jaikl", der vor zwei Menschenaltern als "Stiebnitzer Kräuterdoktor" weithin im Gebirge bekannt war. Als er einst auf dem Heimwege von Rokitnitz nach Stiebnitz in der Lindenallee dem "Reiter ohne Kopf" begegnete, tat er nichts dergleichen, grüßte das Gespenst und blieb von ihm ungeschoren.

Die Beschwörung des Reiters ohne Kopf / Dir. Hanisch (Sage aus Rokitnitz)

Einst ging der alte "Jaikl", der "Wunderdoktor von Groß-Stiebnitz", spät in der Nacht von Rokitnitz durch die Lindenallee gegen Hammerdorf heimzu. Er war gar nicht lange gegangen, schlug die Turmuhr die zwölfte Stunde. Auf einmal kam der "Reiter ohne Kopf" auf seinem Rappen die lange Lindenallee einhergerast. Jaikl ersohrak nicht, sondern blieb ruhig stehen. Er sprach bei sich: "Diesem unheimlichen Spuk will ich für alle Zeiten ein Ende bereiten".

Allsogleich zog er mit seinem Stocke rings um die Gröndlalende einen Kreis. Als der Reiter seinen rasenden Ritt durch die Allee beendet hatte und sich dem Baume näherte, sprach der unerschrockene Mann geschwind seine Zauberformel: "Gespenstiger Geist! Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes sei hier verbannt auf immer währende Zeiten! " Wie vom Blitze getroffen, versank das Gespenst und war verbannt für immer. Seit jener Zeit ist der "Reiter ohne Kopf" von niemandem mehr gesehen worden.

Der starke Knecht / Dir. Hanisch (Sage aus Rokitnitz)

Im Julienthaler "Neuhofe" diente einst ein Knecht, der sich durch seine außerordentliche Körperkraft auszeichnete und darum auch der "starke Knecht" genannt wurde. Man erzählte von ihm, dass er sich vor gar nichts fürchtete. Eines Abends war er in Rokitnitz gewesen, um dort etwas zu besorgen. Es war schon spät in der Nacht, als er den Heimweg antrat. Als er zur "Gröndlalende" kam, hockte ihm etwas furchtbar Schweres auf. Den starken Mann, dem schwere Arbeit nur ein Spiel bedeutete, überfiel auf einmal eine rasende Furcht, wie er sie zuvor noch nie gekannt hatte. Der Angstschweiß rann ihm von der Stirne. Die schwere Last drückte ihn fast zu Boden. Unter übermenschlicher Anstrengung kam er endlich bis zum Neuhöfler Teiche. Da sprang plötzlich das unheimliche Ding von seinen Schultern herab und plumpste ins Wasser. Der starke Knecht aber schleppte sich mühsam bis in den Hof. Er begab sich in sein Kämmerlein und legte sich nieder. - Am nächsten Morgen fanden ihn die Hausbewohner tot auf seiner Lagerstatt.

Die Kugelsage / Rokitnitz
(aus "Deutsche Volkskunde aus dem östl. Böhmen" von Dr. Langer)

Der alte Jaikl ruhte einmal gegen Mittag mit seinem Knaben unter der Linde im Gründel. Als sie so eine Weile gesessen hatten, meinte Jaikl zu seinem Kinde: "Etz gie obacht!" und legte dabei den offenen Hut neben sich. In demselben Augenblicke flog eine Kugel in denselben. "Siehste" , sagte er zum Knaben, "mit dar Kuchl toar ich etz nischt macha, sonst war jemand ems Lawa kumma. Wart oack a wing!" Es dauerte nicht lange, da kam ein Hirsch vorbei. Jaikl schwenkte mit dem offenen Hute und in diesem Augenblicke flog die Kugel heraus und Hirsch und Kugel waren verschwunden.

Eine andere Kugelsage / Rokitnitz.

Als zwei Kürschner vom Rokitnitzer Markte gingen und beim Kornschreiberhause anlangten, sahen sie dahier plötzlich eine Kugel rollen. Sie hieben und stießen in dieselbe hinein, wobei diese aber immer größer wurde. Darob erfasste schließlich die beiden Kürschner Angst und Schrecken und sie liefen, was sie konnten, davon (Kornschreiber war ein Beamter, welcher über eingenommenes und ausgegebenes Getreide bei einer städtischen oder, wie hier, herrschaftlichen Korn- oder Getreidespeicher Rechnung führte. Unter dem Rokitnitzer Kornschreiberhause ist wohl der sogenannte Schüttboden zu verstehen, welcher in der Nähe der Lindenallee sich befindet)

Der geizige Bauer / Rokitnitz
("Deutsche Volkskunde aus dem östl. Böhmen" von Dr. Langer )

Der Sage nach lebte in Rokitnitz einst ein ebenso reicher als überaus geiziger Bauer. Um sich auf Kosten seiner Nachbarn mit Grund und Boden zu bereichern, schlich er bei Nacht über die Felder und verrückte da, soweit er nur konnte, die Grenzsteine seiner Grundstücke gegen die Felder und Wiesen seiner Anrainer. Überdies trachtete er, wo und wann er nur konnte, mit Pflug und Hacke die Raine schmäler zu machen, kurz er tat alles, um zum Schaden seiner Nachbarn immer weiter von seinen Grundstücken hinauszurücken. Endlich kam auch für diesen Übeltäter seine Zeit. Er wurde krank und starb.

Aber schon in der darauffolgenden Nacht erschien er einem verspäteten Wanderer als eine weiße Gestalt mit einer großen Menge von Grenzsteinen auf dem Rücken und unter der Last keuchend, seufzte er mit ächzender Stimme:"Wo soll ich sie hingeben ? wo soll ich sie hingeben?" Der Wanderer erschrak und ergriff die Flucht. In der Stadt erzählte er den Leuten, was ihm begegnet sei, und so wagten sie sich abends nicht mehr hinaus zu gehen. Einmal kehrte nun ein alter Soldat in später Nacht in die Heimat zurück und kam hier an dem Felde des verstorbenen Geizhalses vorüber. Da plötzlich erschien ihm der Bauer in weißer Gestalt und mit einer großen Anzahl von Grenzsteinen beladen und wimmerte:" Wo soll ich sie hinsetzen? wo soll ich sie hinsetzen?" Der Soldat, der den Bauern von früher her kannte, lachte und rief: "Wo du sie hergenommen hast, dort setze sie wieder hin! " Allsogleich verschwand der Geist und am nächsten Morgen fand man zum Erstaunen der Leute die Grenzsteine an ihrer alten Stelle.

Der Geizhals hatte nun im Grabe Ruhe.

Der geizige Bauer / Dir. Hanisch (Sage aus Rokitnitz)


In Rokitnitz lebte einst ein alter Bauer, der ebenso reich wie geizig war. Er konnte sein Lebtag nie genug bekommen. Um sich auf Kosten seiner Nachbarn an Grund und Boden zu bereichern, schlich er bei stockfinsterer Nacht auf seine Felder und versetzte die Grenzsteine. Überdies trachtete er, wo und wann sich ihm nur Gelegenheit bot, mit Hacke und Pflug die Feldraine schmäler zu machen. Aber auch für den alten Geizhals kam das letzte Stündlein ! Er wurde schwer krank und starb noch dieselbe Nacht. Nach drei Tagen wurde er beerdigt; er fand aber im Grabe keine Ruhe. Einem spät in der Nacht heimkehrenden Rokitnitzer erschien er als weiße Gestalt, mit einer großen Menge von Grenzsteinen beladen. Auch anderen Leuten zeigte er sich so.
Da kehrte ein alter Soldat nach jahrelanger Abwesenheit vom Städtchen in seine Heimat zurück. Sein Weg führte ihn an den Feldern des ruhelosen Geizhalses vorüber. Auch er erblickte die weiße Gestalt. Entsetzt blieb der Soldat stehen und hörte ganz deutlich, wie der Geist vor sich hinstammelte:

"Wohin soll ich sie denn setzen, wohin denn?"

Der unerschrockene Mann, der in der weißen Gestalt den alten Geizhals erkannte, rief ihm zu:

"Noo wull datthie, wuu de se haar host!"

Sofort verschwand die weiße Gestalt und wurde nie wieder gesehen.

Der böse Oberamtmann in Rokitnitz

(aus Dr. E. Langers "Deutsche Volkskunde aus dem östlichen Böhmen")

In Rokitnitz lebte ein Oberamtmann, dessen ganzes Sinnen und Trachten nur darauf gerichtet war, Geld auf Geld zusammen zu häufen. Eine große Hungersnot hatte das hiesige Gebirge heimgesucht. Die Leute buken aus Kleie Brot und Klöße, und glücklich war noch jener, der solche zur Nahrung sich verschaffen konnte.

Im Städtchen Rokitnitz lebten zwei Waisenknaben, die eine Erbsumme besaßen, welche der Oberamtmann verwaltete. Als sie erwachsen waren, kamen sie oft, ihn zu bitten, er möge ihnen einen Betrag ausfolgen, sie hätten nichts zu essen und könnten nichts verdienen. Eines Tages fand man beide tot auf dem Grabe ihrer Eltern. In den Händen hielten sie einen Klumpen Kleieteig, den sie irgendwo gestohlen - seit Tagen hatten sie nichts gegessen und da hatten sie, vom Hunger getrieben, in einem Hause vom Ofen weg die zum Backen vorbereiteten Kleieklöße entwendet. -

Als die Lebensuhr des Oberamtmannes ablief, erschwerte ihm das Sterben am meisten der Abschied von seinem zusammengescharrten Mammon. In ein Kälberfell eingenäht hatte er die Zwanziger und Dukaten unter sich im Bette liegen. Um sich ein endliches Sterbenkönnen zu erflehen, ließ er die unschuldigen Kinder des Ortes ins Schloss kommen, wo sie beten mussten, worauf er ihnen einen Korb voller Semmeln schenkte. Der sterbende Oberamtmann aber schrie, von Martern gepeinigt, derart grauenhaft, dass einige von den Betkindern erkrankten. Dann wurden Betstunden in der Kirche abgehalten. Dreizehn Tage lang lag der Oberamtmann schon im Sterben. Am dreizehnten Tage schickte er den Leibdiener weg, unter dem Vorwande, er solle ihm das Schuhwerk putzen. Als der Diener so entfernt war, stand der Sterbende vom Bett auf, schleppte seinen Geldsack in einen unterirdischen Keller und vergrub ihn dort. Ein zehnjähriges Mädchen begegnete ihm und lief nach Hause, um es der Mutter zu erzählen. Kurze Zeit darauf läutete man schon das Sterbeglöcklein für den Oberamtmann.

Die Leute sagten, er hätte so lange nicht sterben können, bis er sein Geld sicher verborgen gehabt. Nach Jahren wurde der Schlossgraben verschüttet und bei einigen Bauarbeiten daselbst vergrabenes Geld gefunden. Das soll von des Oberamtmannes Schatze gewesen sein. Auch findet derselbe Oberamtmann im Grabe keine Ruhe. Des Nachts fährt er in seiner alten Kutsche, welche rot ausgeschlagen ist, auf den Platz des Städtchens hinaus, umkreist ihn und fährt dann wieder zurück ins Schloss. An diese Kutsche knüpfen sich auch noch Schauergeschichten.

Eine Magd hatte ein Stück Stoff aus der Kutsche genommen und es zum Flicken ihrer alten zerrissenen Jacke verwendet. Dreimal nacheinander erschien der verstorbene Oberamtmann an ihrem Bette und forderte den entwendeten Fleck zurück. Endlich kam die Magd dieser Aufforderung nach; kurz darauf starb sie. Die Leute sagten, sie habe sich den Tod durch den ausgestandenen Schrecken zugezogen.

Die Hirtin und die verwunschene Prinzessin / Dir. Hanisch (Sage aus Rokitnitz)

Rechts vom Wege, der durch die Suchai (Wald südl. Rokitnitz) nach Senftenberg führt, breitet sich eine lang gestreckte Wiese, im Volksmunde die "Lange Wiese" genannt, aus.

An einem Herbstmorgen hütete hier ein Mädchen aus Niederdorf die Kühe ihres Vaters. Auf einmal ertönte aus dem nahen Walde ein starker Donner und der Himmel war doch klar und rein. Da rauschte es auch im Gebüsch und eine weiß gekleidete, wunderschöne Frau trat auf die Wiese. Sie hielt in der Rechten einen großen Schlüssel und sprach zu dem erschrockenen Mädchen: "Fürchte dich nicht, liebes Kind ! Ich bin die verwunschene Prinzessin aus dem Burgberg Hradisko. Du kannst mich erlösen und ich will dich dafür reich belohnen. - Sieh hier diesen Schlüssel ! Stelle ihn auf die Erde und achte darauf, dass er nicht umfällt! Etwas Lebendiges wird dreimal durch das Schlüsselloch kriechen. Damit du dich nicht fürchtest, sohließe die Augen!"  Nach diesen Worten verschwand die weiße Gestalt.

Kaum hatte sich das Hirtenmädchen von seinem Schrecken erholt, rollte wieder der Donner - und im nächsten Augenblicke rauschte es auch im Gebüsche. Sofort schloss das Mädchen die Augen, stellte den Schlüssel auf den Boden und wartete. Ganz deutlich fühlte es, wie etwas Bewegliches durch das Öhr des Schlüssels kroch. Krampfhaft drückte die Hirtin die Augen zu. Das zweite Mal - das dritte Mal ! -

Da erfasste das Kind eine fürchterliche Angst. Es riss die Augen auf - und ließ mit einem Angstschrei den Schlüssel fallen, denn durch das Schlüsselöhr kroch eine garstige Otter. Doch da war auch schon die Schlange verschwunden und vor dem zitternden Mädchen stand die verwunschene Prinzessin und weinte bitterlich. - Ich Unglückliche ! sprach sie, "nun muss ich wieder hundert Jahre auf meine Erlösung warten und bin wieder für hundert Jahre dem Zauber des von mir einst abgewiesenen Freiers verfallen !" Und als das kleine Hirtenmädchen sich verwundert umsah, stand es alleine auf der "Langen Wiese". Alles erschien ihm wie ein Traum.

Der bestrafte Wucherer / Dir. Hanisch (Sage aus Oberdorf)

In den Jahren 1770 und 1771 herrschte in ganz Böhmen eine schreckliche Hungersnot. Alte Chroniken berichten, dass die Leute "vermatteten" und wie Fliegen dahin starben. Zu jener Zeit soll im Rokitnitzer Oberdorfe ein geiziger Bauer gelebt haben, der auf seinem geräumigen Schüttboden vom vergangenen sehr guten Erntejahre genügend Saatgetreide aufgehoben hatte.

Das wussten seine Nachbarn. Sie kamen zu ihm und baten ihn, ihnen von seinem Überflusse etwas Getreide abzugeben. Sie würden ihm gerne zahlen, was er verlangte. Der Geizhals aber schlug ihnen die Bitte ab und sagte spöttisch: "M'r wann halt nooch a beßla zuwatta, bis watt's Getreide nooch hicher ´m Preise stiehn !" Traurig gingen die Leute wieder heim. Nach diesen beiden schlimmen Jahren aber folgte ein fruchtbares und gesegnetes Jahr.

Der alte Geizhals hatte seinen kostbaren Schatz oben auf dem Boden gar sorgsam verwahrt und gehütet. Als er aber an einem wunderschönen Frühlingsmorgen auf den Boden stieg und die Fenster öffnete, siehe, da flog ihm sein ganzes Getreide zum Fenster hinaus. Vor Zorn und Schreck sank der alte Geizhals zu Boden und war tot. "Das war Gottes gerechte Strafe!"· sagten die Leute.

Der Geist auf dem Schlosse Mauschwitz / erzählt von einer Herrnfelderin / Sage aus Rokitnitz

Eine Sage erzählt, dass auf dem Schlosse Mauschwitz in der Suchei ein Schatz verborgen sei. Dieser Schatz soll an einem Sonntag gehoben werden.  Der, welcher ihn holen wird, soll, wenn er zu den Ruinen kommt, sagen: "Geist, was begehrst du?" Abergläubische Leute schickten deshalb einen Mann namens Sandmann, auch "Schleifer" genannt, hin, um den Schatz zu heben. Sandmann machte sich an einem Sonntage auf den Weg. Als er zu den Ruinen kam, sprach er: "Geist, was begehrst du?" Da antwortete jemand: "Den Schleifer." Sandmann nahm reißaus und erreichte nur mit Mühe und Not Rokitnitz.

Am anderen Tage fanden die Leute die Schöße des Rockes an den Zweigen der Sträucher hängen. "Schleifer" ist in seinem Leben nicht mehr zu dieser Burg gegangen.

Der verzauberte Wagen / nach einer Herrnfelderin (Sage aus Rokitnitz)

 

Im Rokitnitzer Schlosse befand sich ein Wagen, eine "Pritschke",  der jede Nacht von elf Uhr abends bis zwei Uhr früh im Schlosshofe alleine herumfuhr. Um diesen gespenstigen Fahrten ein Ende zu machen, zog ein Kutscher die Radnägel heraus und schlug sie in seine Stiefelsohlen. Der Abend kam, schlag elf Uhr sprangen die Stiefel von der Ofenbank und klappten in den Zimmern des Schlosses herum, indes draußen im Hofe der Wagen umher rasselte. Von nun an wanderten die Stiefel allnächtlich, bis ihr Besitzer sich entschloss, die Nägel herauszunehmen und der Kutsche wieder zurückzugeben.

Dann hörten die Wanderungen auf.

 

Der verzauberte Wagen im Rokitnitzer Schlosse / Dir. Hanisch (Sage aus Rokitnitz)

Vor langer Zeit befand sich im Rokitnitzer Schlosse ein Wagen, der jede Nacht "umging". In der Geisterstunde fuhr er in rasender Geschwindigkeit rund um den Schlosshof. Der herrschaftliche Kutscher wollte diesem sonderbaren Treiben ein Ende machen. Zu diesem Zwecke zog er eines Tages sämtliche Radnägel heraus und schlug sie in seine Stiefelsohlen. Die Mitternachtsstunde kam und der neugierige Knecht war gespannt, was geschehen würde. Im Schlosshofe rührte sich nichts. Der Wagen blieb ruhig an seiner Stelle; aber seine Stiefel fingen an, lebendig zu werden. Sie sprangen von der Ofenbank herunter und klappten wie besessen in der Stube herum, dass dem auf´s höchste erschrockenen Kutscher die Haare zu Berge standen. Das wiederholte sich Nacht für Nacht.

Als dem Manne die Geschichte zu bunt wurde, zog er aus der Stiefelsohle die verfluchten Nägel heraus und schlug sie dem Wagen wieder in die vier Räder. Doch siehe!  Eigentümlicherweise gab nun der Wagen seine Spukgelüste auf und ging nicht mehr um.

Der GIücksdrache / Ol. Rulc (Sage aus Herrnfeld)

Einige der vormaligen Siedler von Herrnfeld wollen dann und wann am abendlichen Himmel sonderbare Erscheinungen mit viel Aufmerksamkeit verfolgt  haben. Aus dem Abendrot senkte sich plötzlich eine strohschüttenförmige Drachengestalt über einen Teil der Ortschaft. Dann fuhr sie wie suchend über die Häuser dahin, um augenblicklich in einer Hausesse zu verschwinden. Den Insassen dieses Hauses aber blühte dann lange Jahre Glück und Wohlstand. Jedenfalls liegen diesen Sagen Beobachtungen von Meteoren, Nordlichtern und Kugelblitzen zugrunde.

Jaikl und der "Christadoktor" aus Rokitnitz / Fritz Pischel (Sage aus Stiebnitz)

Wegen seiner Heilpraxis lebte "dr aale Jaikl" in ständiger Fehde mit dem Distriktsarzte aus Rokitnitz. Dieser war schon wochenlang wegen rheumatischer Schmerzen ans Krankenbett gefesselt. Keine Hinzuziehung anderer Ärzte und kein Medikament brachte Linderung der Krankheit, bis man sich besann und sagte: "Da kann nur noch dr aale Jaikl helfen!" Dagegen streubte sich der Arzt heftig, bis er schließlich wegen der nicht nachlassenden Schmerzen nachgab.

Eine erste Anfrage bei Jaikl blieb erfolglos. Nach wiederholten Bitten, dem Leidenden doch zu helfen, ließ sich Jaikl unter der Bedingung zur Behandlung herbei, der Arzt dürfte ihn wegen seiner Praxis nie mehr anzeigen. Der Kranke gab auch dieses Versprechen ab. Die Behandlung war nun folgende: Als Jaikl bei dem Kranken erschienen und die Untersuchung abgeschlossen hatte, sagte er zu den Angehörigen: "Jetzt bringt mir nur vier starke Männer!" Als diese erschienen waren, musste sich der Kranke bäuchlings auf den nackten Fußboden legen. Jaikl zog sich unterdessen seine Schuhe aus. "So, ihr Männer, jetzt nehmt den Doktor an den Armen und an den Füßen und hebt ihn in die Höhe!" Jaikl stieg barfuß auf den Rücken des kranken Mannes und bearbeitete mit seinen Füßen den kranken Körperteil, bis es einen Knacks gab. Damit war die Prozedur aus. Der Kranke wurde wieder in das Bett gelegt und eine von Jaikl persönlich hergestellte Einreibungssalbe befreite ihn vollends von seinem Leiden.

Die Gründelsage

("Deutsche Volkskunde für das östliche Böhmen" von Dr. Langer )

Nach einer Sage soll der Gründelgeist oder das Gründelgespenst in der großen Linde der Allee, welche von Rokitnitz nach Neuhof geht, eingekeilt sein. Die Risse dieser Linde, bzw. die Vertiefungen in der Rinde sind keilförmig, was zu jener Volksmeinung Veranlassung gegeben haben mag (nach der Sage vom Reiter ohne Kopf wird diese Geisterbannung dem "aala Jaikl" zugeschrieben)

Der "aale Jaikl", eine durch ihr geschicktes "Knochenbrucheinrichten" im ganzen Bezirk bekannte Persönlichkeit, die einmal den Geist beim Gründel geweckt haben soll, worauf ihm der Reiter ohne Kopf bis zum Hl. Johannes, einer Statue vor der Stadt, nachgekommen sei (über diese mit den Gründelsagen verknüpfte Person des "aala Jaikl", den ich noch persönlich kannte und der in unserem väterlichen Hause wiederholt Proben seiner chirurgischen Kunst ablegte, ließ sich ein ganzes Buch schreiben.

Er bildete eine populäre Erscheinung des ganzen Adlergebirges, da ihm die Ärzte nachsetzten, war er schließlich nur mit vielem Bitten zur Ausübung seiner Kunst zu bewegen und kam dann, wenn er Hilfe zusagte, meist bei Nacht in das betreffende Haus. Nach den geheimen Künsten und Wissenschaften, die ihm das Volk zuschrieb, könnte man ihn den Faust oder Paracelsus des Adlergebirges nennen.

Wie es allgemein hieß, kannte er genau die geheimen Kräfte der Pflanzen und Gesteine; auch wusste er manche kräftige Zauber- und Beschwörungsformel; denen verschiedenen Krankheiten und Zauberspuke nicht zu widerstehen vermochten, weswegen er ebenso gesucht war, als er bei arm und reich in hohen Ehren stand. Wir werden diesem Namen noch öfter begegnen)

Die Sage von der Entstehung der St. Annakapelle auf dem Ernestinenberge bei Bärnwald / von Ed. Alliger, Bärnwald.

Der schönste, lohnendste und von den Touristen am meisten besuchte Punkt des Erlitztales ist der Ernestinenberg, vor dem Jahre 1858 Annaberg genannt, oberhalb des Dorfes Bärnwald. Wir gehen bergauf durch das Dorf bis zum letzten Hause beim herrschaftlichen Walde, treten dann in den Jungwald ein und steigen höher; schon jetzt eröffnet sich uns eine prächtige Aussicht auf den Habelschwerdter Kamm und das Schneegebirge und auf die Dörfer im Tale. Wir wandern dann weiter, auf einmal treten wir aus dem Walde und stehen auf dem Plateau des Ernestinenberges, 994 m hoch.

Feierliche Stille umfängt den Wanderer, wir erblicken die Kapelle mit Kreuzweg und Heiligenstatuen. Wir besteigen den hölzernen Aussichtsturm, und welches prächtige Panorama entrollt sich hier vor unseren Augen! Gegen Westen erblicken wir über dem großen Waldkomplex mit der Reiterkoppe die nahen Dörfer Oberdorf und Ritschka, die Quelltäler des Klausenbaches, die fruchtbaren Ebenen im Innern Böhmens, die Spitze des Kunietitzer Berges mit der Ruine bei Pardubitz, und bei günstigem Sonnenschein den Aussichtsturm auf dem Laurenziberg bei Prag. Von Westen winkte das Riesengebirge, die Hohe Mense, Heuscheuer, die Deschneier Koppe u.a.

Gegen Osten erblickten wir das ganze Erlitztal, das Habelschwerdter- und Schneegebirge, ferner die Dörfer und die Gegend von Mittelwalde bis Habelschwerdt. Nach Süden weiten sich das niedere Erlitztal, der Muttergottesberg bei Grulich, die daran stoßenden Berge, die Gegend der Städte Senftenberg und Geiersberg und jene Sandsteingebirge, welche die von Olmütz nach Wien und Prag führenden Eisenbahnen in vielfachen Windungen durchbrechen.

Die Kapelle auf dem Ernestinenberge soll folgender Sage ihre Entstehung verdanken:

Einmal ging der damalige Waldheger Johann Kastner aus dem Dorfe Oberdorf in seinem Geschäfte im Walde herum und hatte sich in demselben so verirrt, dass ihn die finstere Nacht überfiel und er gezwungen war, sein Nachtlager im Walde auf der höchsten Anhöhe aufzuschlagen. Sein Gewehr und seinen Hund zur Seite, legte er sich unter einem Baume nieder. Aber nicht lange währte es, so kamen drei Männer in seine Nähe, machten ein Feuer an, und dieses zeigte ihm in seinem Scheine die grässliche, wilde Gestalt seiner Nachbarn an, die er für Räuber hielt.

Todesangst durchbebte ihn und seinen Hund, und zu Gott und zur heiligen Mutter Anna seine Zuflucht nehmend, gelobte er, an dem Orte zu Ehren der heiligen Mutter Anna eine Kapelle zu erbauen, wenn er aus den Händen der Räuber errettet würde. Langsam erhob er sich, kroch auf allen Vieren leise davon, schleppte seine Flinte nach, entkam glücklich und erfüllte, was er versprochen hatte. Nach einer anderen Version soll obiger Johann Kastner unter einem Baume eingeschlafen sein. Als er erwachte, soll ihn ein lichter Schein umgeben haben, und wie er um sich blickt, sieht er drei winzig kleine Männchen mit langen, grüngrauen Bärten vor sich stehen, welche zu ihm sprechen: "Hm, Hm, schon sehr lange hausen wir hier, schon dreimal war hier Wald, und dreimal war hier Feld, und du bist uns noch nicht zu Gesicht gekommen." Nach dieser Anrede waren die drei Heinzelmännchen verschwunden.

Johann Kastner merkte sich diese Stelle und erbaute dort im Jahre 1766 eine hölzerne Kapelle zu Ehren von St.Joachim und Anna. Nachdem dieselbe baufällig geworden war, da sie mitten im Walde unter den Bäumen stand, ließ im Jahre 1820 die Reichsgräfin Johanna von Nostitz-Rienek den Platz um die Kapelle erweitern und eine steinerne, sieben Meter lange und sechs Meter breite Kapelle mit hölzerner Decke und einem Aussichtstürmchen auf dem Dache, zu welchem von außen eine Treppe führte, erbauen, auch wurden in der Runde Kreuzwegstationen mit blechernen, jedoch unerbaulichen Figuren aufgestellt. Im Jahre 1856 ließ Ernestine Reichsgräfin von Nostitz-Rienek die Kapelle gänzlich renovieren, zwei Grundbesitzer aus Bärnwald errichteten auf dem neu geebneten Platze ein steinernes Kreuz und eine Marienstatue. Es wurden neue Kreuzwegstationen aufgestellt und ein hölzerner Aussichtsturm erbaut, und bei der Einweihung am St. Annatage, bei welcher ein solennes Fest gefeiert wurde, wurde der seitherige Annaberg zum dauernden Andenken an die 1857 verstorbene Wohltäterin Ernestinenberg benannt. Später ließ die Gutsherrschaft zum Schutze gegen die Unbilden der Witterung die Außenseite der Kapelle mit gußeisernen Platten belegen und einen neuen Aussichtsturm erbauen. (Aus "Guuda übend" 1914).

Es bliebe hinzuzufügen, dass diese Kapelle im Zuge der tschechischen Befestigungsarbeiten im Adlergebirge 1937 abgetragen werden musste. Sie wurde von den Bewohnern des nahe gelegenen Dörfchens Ottendorf am Rande ihrer Siedlung wieder aufgebaut.

Ernst Michalitschke.

Das hölzerne Kreuz oberhalb der Straße bei Nr. 63 / Dir. Hanisch (Sage aus Bäirnwald)

Dieses Kreuz stand früher auf der Bergwand gegenüber dem Walde beim Wirtschaftswege. Im Jahre 1812 war Josef Tschepen Besitzer dieser Wirtschaft. Er wollte ein neues Wirtschaftsgebäude aufbauen. Als er Steine zum Bauen von einem Steinhaufen wegfuhr, soll er in dieser "Stainrecke" einen Topf mit Gold gefunden haben. Der Hüter dieses Schatzes war ein schwarzer Pudel, der sich zur Mitternachtsstunde Vorübergehenden anschloss, dann auf der Höhe des Berges aber wieder verschwand. Aus Dankbarkeit ließ der Besitzer der Wirtschaft ein hölzernes Kreuz errichten. Im Jahre 1844 wurde es erneuert, 1881 ausgebessert und bald darauf ein neues Kreuz zum Hofe gesetzt.

Wie die "Marienstatue" auf den Ernestinenberg kam / Ol. Rolletschek (Sage aus Bärnwald)

Der Grundbesitzer Anton Krause in Oberbärnwald fuhr einstens nicht weit vom Ernestinenberge Holz mit dem Schlitten nach Hause. Der Schnee lag so tief, dass man das aufgeschichtete Holz kaum sah; alle Gruben im Walde waren mit Schnee zugedeckt. Mit dem Hörnerschlitten sauste Krause durch den verschneiten Wald. Er geriet am Abhange des Ernestinenberges in eine tiefe Grube - und der Schlitten mit dem Holze begrub ihn unter sich. Er konnte sich durch eigene Kraft nicht aus seiner gefährlichen Lage befreien. In seiner Angst betete er zur Mutter Gottes und gelobte, eine Statue auf den Ernestinenberg errichten zu lassen, wenn er noch einmal gesund nach Hause käme. Als es bereits Abend geworden war und auch Krause nicht nach Hause kam, gingen ihn seine Leute suchen und fanden ihn. Krause erfüllte sein Gelübde. Diese Statue ist im Jahre 1937 wegen der tschechischen Befestigungsarbeiten abgetragen worden. Der Besitzer der Wirtschaft Nr. 3 ließ diese Statue auf seinem Grunde in Bärnwald wieder aufbauen.

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