Berichte über die Gewalttaten im Mai 1945

 

Franz Böhm aus Herrnfeld Nr. 8

Franz Böhm, geboren am 04.05.1899 in Rieneck, Gemeinde Mittedorf, wurde am 16. Mai 1945 von tschechischen Partisanen und zwei sowjetischen Reitern mit einem Lastkraftwagen abgeholt. Auf dem LKW befand sich bereits Josef Kretschmer aus Hannchen Nr. 10. Seine Schwester, die Gastwirtin Anna Volkmer, beobachtete von ihrem Dachfenster aus, wie er mit einem Rucksack am Rücken auf den LKW stieg. Später berichtete man, dass beide, Böhm und Kretschmer, mit auf den Rücken gefesselten Händen durch Kunwald und Senftenberg getrieben worden waren. Ihre Hände wurden mit Stöcken blau und blutig geschlagen. Frau Böhm erhielt die Nachricht vom Tode ihres Mannes vom Fleischermeister August Franke aus Batzdorf, welcher mit dem Leben davon kam. Nach seinem Bericht wurde Franz Böhm in der Nacht vom 17. auf den 18. Mai, nach qualvollen Stunden an einem Baum an der Straße nach Helkovice erhängt.

August Franke mußte ihn und andere, welche das gleiche Schicksal ereilt hatten, mit einigen Kameraden in den Mittagstunden des 18. Mai im Wald hinter dem Friedhof begraben.

 

 

Josef Kretschmer aus Hannchen Nr. 10

Josef Kretschmer, geboren am 04.06.1893, wurde am 16. Mai 1945 verhaftet und nach Senftenberg eingeliefert. Der Hergang war folgender:

Gegen Abend des 16. Mai 1945 ging er ins Gasthaus Volkmer in Hannchen Nr. 16, um sich Tabak zu holen. Er war ohne Rock und nur in Hausschuhen. Als er das Gasthaus verließ, blieb er noch bei Benedikt Pöter aus Nr. 15 und Josef Kramarsch aus Nr. 28 stehen und man ging im Gespräch gegen das Forsthaus zu. In diesem Augenblick kam ein Lastwagen mit tschechischen Partisanen und zwei russischen Reitern von Batzdorf her, gingen ins Gasthaus und fragten, ob Kretschmer hier sei. Die Wirtin, Frau Anna Volkmer, sagte ihnen, dass er hier gewesen sei, doch vor einer Weile schon weggegangen sei. Nach Verlassen des Lokals sahen sie die Gruppe der drei Männer, riefen sie an und fragten, ob Kretschmer dabei sei. Als dieser bejahte wurde ihm bedeutet mitzukommen und auf das Lastauto zu steigen. Er rief den Zurückbleibenden noch zu: „Grüßt mir mein Weib und die Kinder!“, dann fuhr der Wagen weiter zum Gehöft des Franz Böhm, welcher nun das gleiche Schicksal mit ihm teilen musste. Die Todesnachricht erhielt Frau Kretschmer vom Fleischermeister August Franke aus Batzdorf, welcher ebenfalls in Senftenberg inhaftiert war.

Eines Tages wurde Josef Kretschmer mit in seine Zelle gesperrt und wenig später mit anderen Leidensgenossen von Partisanen abgeholt. August Franke wurde dann in den Wald hinter dem Friedhof abkommandiert. Dort lag Josef Kretschmer mit anderen erschossen in einer Grube. August Franke musste beim Zuschaufeln helfen. Als Todesdatum gab Franke den 23. Mai 1945 an.

 

Bild: Gasthaus Volkmer, Hannchen Nr. 16

 

Bild- und Textquelle (bearbeitet): Verein der Adlergebirgler e.V., Archiv in Waldkraiburg.

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