Heimattreffen in Rokitnitz zum Anna-Tag 2013

 

In diesem Jahr jährte sich zum 20. Mal der Tag, dass nach dem Krieg und der Vertreibung am Annatag 1993 in unser Rokitnitzer Heimatkirche durch den damaligen Heimatpfarrer Wilhelm Wenzel erstmals eine Hl. Messe in deutscher Sprache mit heimatvertriebenen Adlergebirgler gefeiert wurde. Auch in diesem Jahr sind wieder viele dem Ruf der Heimat gefolgt. Das europäische Wetter-Hoch hatte sich auch über das Adlergebirge ausgebreitet und heiße Tage gebracht. Die neu angekommenen Landsleute schauten wie immer in die Pension „Rampusak“ um zu erkunden, wer schon alles eingetroffen ist. Vielen fiel sofort der neue Anstrich des Turms der Allerheiligen-Kirche auf.

 

Am Dienstag, den 23.7. fand, wie in „Mei Heemt“ angekündigt, der Ganztages-Ausflug nach Königgrätz statt. Elf Landsleute trafen sich um 6 Uhr morgens vor dem Bahnhof in Rokitnitz mit unserem Reiseleiter Jan Moravek. Pünktlich um 6.28 Uhr fuhren wir mit dem Zug nach Königgrätz. Aus dem Zug heraus konnten wir den wildromantischen Abschnitt des Hammer-Tales mit zwei Tunnels  und starkem Gefälle bewundern bis zum Austritt aus dem Gebirge. In Königgrätz angekommen, führte uns Jan Moravek, der in Königgrätz studierte, durch die Stadt und konnte uns somit viel von ihr und von ihren Bauwerken in sehr gutem Deutsch berichten. An allen sehenswerten Stellen erhielten wir eine ausführliche Erläuterung über die Geschichte und Architektur der Gebäude und Baudenkmäler, die sich alle in einem sehr guten Zustand befanden. Nach einem in einem typischen tschechischen Lokal eingenommenen Mittagessen fuhren wir von dem neu errichteten Bus-Bahnhof nach dem 30 km von Königgrätz entfernten Chlum, dem damaligen Schlachtfeld von 1866. Wir liefen bei großer Hitze  bis zu einem Dokumentations-Zentrum, wo vieles aus dieser schrecklichen Zeit zu besichtigen war. Eine Video-Show zeigte gespielte Kriegsszenen und in vielen Vitrinen waren Helme, Uniformen und Waffen ausgestellt. Nach der Besichtigung fuhren wir per Bus und Bahn zurück nach Rokitnitz und kamen dort wohl behalten mit vielen gewonnen Eindrücken an. Uns allen gefiel die Fahrt und die Besichtigungen sehr gut und danken nochmals unserem Jan für die sehr ausführliche Führung und dass er sich einen ganzen Tag für uns frei gemacht hat. Für 2014 hat Jan zugesagt, mit uns auch mit dem Zug nach Nachod zur dortigen Besichtigung der Stadt zu fahren.

 

Am Mittwoch, den 24.7.2013, kamen wir um 13.30 Uhr zum inzwischen traditionellen Treffen mit dem“ Verband der Deutschen im Adlergebirge in der ehemaligen Schmiede „Korvana“, an der Kreuzung nach Kunzendorf zusammen. Alois Galle mit seiner Gesangsgruppe begrüßte uns sehr herzlich und gab einen kurzen Überblick über die Arbeit des Verbandes und der Gesangsgruppe im vergangenen Jahr. Natürlich trug der Chor bekannte Volks- und Heimatlieder vor, die zum Teil Renate, die Ehefrau von Rudi Kolbe, mit ihrem Keyboard begleitete. Allen Teilnehmern wurde vom Verband „Palatschinke und Kaffe“ gereicht. Zum Ausklang wurde das Staadla-Lied gesungen.

 

In der Kirche von Himmlisch Ribnei fand um 17.00 Uhr das Internationale Klassik-Konzert „Töne ohne Grenzen“, diesmal zum 9. mal statt. Die Künstler waren zwei Damen aus Prag und unser Landsmann. Rudi Gerr, dem Gründer dieses Konzertes. Das Interesse der Bevölkerung und der im Adlergebirge weilenden Landsleuten war groß und somit die Kirche gut gefüllt. Die beiden Künstlerinnen boten den Zuhörern einen Kunstgenuss bei bester Akustik. Unser Landsmann Rudi Gerr konnte insbesondere mit Gesangsbeitrag „Vor meinem Vaterhaus steht eine Linde“ begeistern. Kräftiger Applaus belohnte die Akteure.

 

Am Donnerstag, den 25.7.2013, um 14.00 Uhr, fand eine Wallfahrts-Messe auf dem Ernestinenberg in tschechischer und deutscher Sprache statt. Um 18.00 Uhr begann in der neuen Rokitnitzer Schule unser Heimatabend zunächst mit einem gemeinsamen Essen. Nach dem Essen wurden die Teilnehmer von Günther Wytopil begrüßt, besonders die Ehrengäste, Bgm. Petr. Hudousek, Jan Moravek, Mitglied des Gemeindeparlamentes, Pfarrer Dr. Knobloch, Alois Galle mit dem Adlergebirgschor sowie die anwesenden Mitglieder vom Vorstand des Adlergebirgsvereins und die zahlreich erschienenen Ortsbetreuer. Danach bat Horst Wanitschke die Anwesenden um eine stille Minute des Gedenkens der verstorbenen Landsleute. In seinem Grußwort, das Jan Moravek übersetzte, brachte Bgm. Hudousek insbesondere seine Freude über den zahlreichen Besuch der deutschen Landsleute zum Annafest zum Ausdruck. Günther Wytopil beglückwünschte Alois Galle sowie Manfred Gischler in sehr persönlich gehaltenen Worten zur Verleihung des Ehrenbriefes der Heimatlandschaft Adlergebirge in Waldkraiburg Ende April 2013 und überreichte anschließend Ldm. Erich Walenta den Ehrenbrief, der ihm für sein unermüdliches Engagement in Sachen Ahnenforschung verliehen wurde. Bevor der offizielle Teil mit dem gemeinsamen Singen des Staadla-Liedes abgeschlossen wurde, dankte Horst Wantischke in Namen der Anwesenden Günther Wytopil für sein Tun und Wirken in Sachen Rokitnitzer Annafest und alter Heimat im Sinne seines 2012 verstorbenen Vaters. Der Verlauf des Abends war geprägt durch viele Gespräche unter den Landsleuten. Zwischendurch unterhielt uns der Chor mit seinen Liedern. Das „Rokitnitzer seemer“ durfte dabei natürlich nicht fehlen und bereitete allen viel Freude. Der Ausklang des Abends war schneller wie gewohnt, da keine Personen mit Vorträgen mundartlicher Art wie sonst zur Verfügung standen. Viele dieser Personen waren diesmal nicht zum Treffen gekommen.

 

Freitag, 26.7.2013. Unsere Deutsche Heilige Messe fand um 10.00 Uhr in der Pfarrkirche statt, die Pfarrer Pajak zelebrierte und in der Pfr. Dr. Knobloch wieder eindrucksvolle predigte. Die Schubertmesse wurde wie jedes Jahr von den beiden tschechischen Musikern Herr Lang und Herr Grulich musikalisch gestaltet. Am Ende der Messe wurde das Staadla-Lied gesungen und danach stellten sich die Besucher vor dem Altar für das obligatorische Gruppenbild auf, das von unserem Fotograf Manfred Gischler gemacht wurde. Beim Verlassen der Kirche gab es die köstlichen Kolatschen für jeden Besucher.

 

Gegen 16.00 Uhr trafen sich 17 Landsleute auf dem Rokitnitzer Friedhof zur Niederlegung eines Blumengebindes an der Gedenkstätte für unsere Toten in der Heimat. Günther Wytopil erinnerte in einer kurzen Ansprache an die Ausführungen im „Horsky Kurier“ des damaligen 2. Bürgermeisters und heutigen Bürgermeisters Petr Hudousek im Jahre 1999, dass auf dem Rokitnitzer Friedhof eine Gedenkstätte entstand, die als pietätvoller Winkel nicht nur zu Spaziergängen sondern auch zum Nachdenken anregt. Elfriede Baars hielt das Totengedenken bevor die eindrucksvolle Zusammenkunft mit einem gemeinsamen Vater Unser endete.

 

Um 17.00 Uhr war dann die tschechisch/deutsche Messe in der „ANNA-Kapelle“. Hier fanden sich wenige Landsleute ein. Nachmittags füllte sich der Ringplatz mit Leben. Musikgruppen spielten auf und die vielen Fahrgeschäfte und Verkaufsstände wurden von den zahlreichen Gästen besucht. Um 22.00 Uhr fand wieder das traditionelle, prächtige Feuerwerk vor dem Schloss statt und wurde von den Besuchern mit großem Beifall bedacht.

 

Samstag, 27.7.2013. Ab 9.00 Uhr war das Schloss für Besucher geöffnet. Man präsentierte verschiedene Handwerke, verkaufte Handarbeiten und mittelalterlich Kostümierte tanzten, sangen und zeigte ihre Säbelkünste. Im Seitenflügel war eine Ausstellung der Feuerwehr von Rokitnitz „140 Jahre seit Gründung der Freiwilligen Feuerwehr in Rokitnitz“. Darunter fand sich auch ein Foto von Günther Wytopil sen. im Kreise der Rokitnitzer Feuerwehrkameraden. Daneben war eine interessante Dokumentation über „Das Zusammenleben von Tschechen und Deutschen in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts“ zu sehen, die von Schülern einer tschechischen Schule u.a. mit Interviews von deutschen und tschechischen Zeitzeugen erarbeitet wurde. Wie im Vorjahr fanden im Schlosspark die schottischen Highland Games statt mit Dudelsackmusik und Pfeil und Bogen-Schießen. Ab 10.00 Uhr war auch die Hinterkirche, deren Zustand noch traurig wirkt, zur Besichtigung geöffnet.

 

Sonntag, 28.7.2013. Um 10.00 Uhr war eine gut besuchte tschechische Wallfahrtsmesse. Pfarrer Pajak begrüßte während der Messe auf Deutsch die anwesenden Landsleute sehr herzlich. Am Nachmittag begeisterte eine stark besetzte Big Band im Musik-Zelt die vielen Besucher. Für die Technikbegeisterten wurde ein Dampflastwagen von SKODA-Typ Sentinel vorgeführt. Viel Rauch und Dampf und seine Dampfpfeife machte dem urigen Gefährt den Weg frei. Die große Hitze machte sich nunmehr bemerkbar. Nach 16.00 Uhr konnte man zusehen, wie ein Schausteller nach dem anderen sein Stand räumte und den Platz verließ. In kurzer Zeit war das „ANNA-Fest“ 2013 beendet.

 

Allen unseren Landsleuten möchten wir für ihr Interesse an der Heimat „Danke“ sagen. Die Mühen der  Vorbereitung und Durchführung der Annawoche lohnten sich wieder. Allen Heimatfreunden und ihren Angehörigen wünschen wir eine gute Gesundheit und Wohlergehen bis zum nächsten Treffen 2014 in Speicherz (vom 4. bis 6. April 2014) und/oder beim nächsten „ANNA-TAG“ wieder in Rokitnitz.

 

In heimatlicher Verbundenheit herzlichst

Horst Wanitschke und Günther Wytopil

Phoca - GAE

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