Glocken läuten für Versöhnung

 

Zu Beginn der diesjährigen Annawoche wurden am 22. Juli 2018 drei neue Glocken für die Rokitnitzer Allerheiligen-Kirche in einer feierlichen Zeremonie geweiht.

Eine Musikgruppe mit Chor umrahmte diese Feier eindrucksvoll mit neuen geistlichen Liedern. Auch der Chor „Die Adlergebirgler“ trug zur musikalischen Umrahmung mit dem Lied „Glocken der Heimat“ stimmungsvoll bei. Die Segnung der Glocken nahm der Generalvikar der Diözese Königgrätz Msgr. Josef Sucha vor. Der Generalvikar stellte in seiner Ansprache, die er in Deutsch übersetzte, den Gedanken der Versöhnung in den Mittelpunkt.

Ein mächtiger Kran zog die Glocken in den Kirchturm. Beim Emporschweben der Glocken intonierte der Chor „Amazing Graze“ und war für viele Anwesende ein emotionaler Höhepunkt. Die Montage der Glocken erfolgte während des sich an die Glockenweihe anschließenden deutsch-tschechischen Gottesdienstes, an dessen Ende, um 12:00 Uhr, die Glocken erstmals läuteten.

Die neuen Glocken ersetzten die im Jahre 1942 für Kriegszwecke konfiszierten Glocken, die ebenfalls an einem 22. Juli und zwar im Jahre 1923 geweiht wurden. Zwei Glocken tragen folgende Inschriften in deutscher und tschechischer Sprache:

Größte Glocke: Heilige Anna – Glocke der Versöhnung, Wappen der Stadt Rokitnitz und Relief der Hl. Anna. Inschrift am Saum der Glocke: AD 2018 Kath. Pfarrei Rokitnitz i. Adlergebirge - Deutsch-Tschechischer Zukunftsfonds – Landsleute aus Deutschland. Gewicht der Glocke: 385 kg, Ton: h1.

Mittlere Glocke: Heiliger Joachim und Relief des Hl. Joachims; am Saum der Glocke: AD 2018 Kath. Pfarrei Rokitnitz i. Adlergebirge. Gewicht der Glocke 267 kg, Ton: d2.

Kleinste Glocke: Inschrift nur in Latein: SANCTA MARIA ORA PRO NOBIS, Relief der Jungfrau Maria und Marienwappen; Inschrift am Saum der Glocke „AD 2018 ROKYTNICE V ORLICKÝCH HORÁCH“. Gewicht der Glocke: 210 kg, Ton: fis2

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Gottesdienst zur Glockenweihe

 

Nach der Glockenweihe zogen die Gläubigen in die Kirche ein, um mit Generalvikar Josef Sucha und Pfr. Mariusz Luczyszyn, die den Gottesdienst zelebrierten, einen festlichen Gottesdienst zu feiern. Es war der erste gemeinsame tschechisch-deutsche Gottesdienst in der Allerheiligen-Kirche, der gemeinsam vorbereitet wurde. Generalvikar Sucha begrüßte die Gottesdienstbesucher in Tschechisch und in Deutsch. Auch die Liturgie erfolgte in großen Teilen zweisprachig. Die meisten Lieder im Gottesdienst konnten somit zusammen gesungen werden, das „Heilig“ aus der Schubert-Messe nur in Deutsch. Die Lesung und die Fürbitten, die in beide Sprachen übersetzt wurden, trug für uns Lm. Reinhard Traufelder. Lm. Traufelder fand für die Fürbitten die richtigen Worte. In einem Liedblatt wurden die Texte und Lieder in der jeweiligen Sprache zum Nachlesen und Mitsingen abgedruckt.

Am Schluss des Gottesdienstes bedankte sich Pfr. Mariusz Luczyszyn herzlichst bei Bürgermeister Petr Hudousek für seinen Einsatz als verantwortlicher Koordinator für das „Glockenprojekt“ und bei Günther Wytopil für sein Wirken hinsichtlich der erfolgreichen Spendenaktion bei den deutschen und österreichischen Landsleuten.

Nach den Grußworten von G. Wytopil und Bgm. Hudousek sowie dem Schlusssegen von Generalvikar Sucha endete der Festgottesdienst mit dem gemeinsam in beiden Sprachen gesungenen „Großer Gott, wir loben Dich“ eindrucksvoll.

 

 

 

 

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Ansprache Gottesdienst Glockenweihe Rokitnitz am 22.07.2018 Ortsbetreuer Günther Wytopil

 

Hochwürdigster Herr Generalvikar Monsignore Josef Socha. Verehrter, lieber Herr Pfarrer Mariusz. Verehrter Herr Bürgermeister, lieber Petr. Verehrte Mitglieder des Stadtrates von Rokitnitz. Verehrte Mitglieder des Gemeinderates der Katholischen Pfarrei Rokitnitz. Liebe tschechische und deutsche Landsleute. Liebe Schwestern und Brüder.

Heute ist ein besonderer Tag für Rokitnitz, sowohl für die heutigen Bewohner als auch für die früheren Bewohner und deren Nachkommen. Können wir doch heute gemeinsam die Weihe von drei neuen Glocken für die Rokitnitzer Allerheiligen-Kirche in einem gemeinsamen tschechisch-deutschen Gottesdienst feiern.

Über den heutigen Tag würden sich auch der leider viel zu früh verstorbene Bürgermeister von Rokitnitz, Herr Antony Stefek, und mein ebenfalls verstorbene Vater, ein gebürtiger Rokitnitzer, freuen. Nach dem unsäglichen Leid, das sich Deutsche und Tschechen durch die Wirren des 2. Weltkrieges und durch die Vertreibung gegenseitig zufügten, bereiteten diese beiden Männer zusammen mit dem heutigen Bürgermeister von Rokitnitz, Herrn Petr Hudousek, nach der Wende gemeinsam den Weg zur Versöhnung zwischen diesen Volksgruppen. Dass dieser Weg der Versöhnung ein erfolgreicher geworden ist, können wir auch an dem heutigen Tag der Glockenweihe in unserem gemeinsamen tschechisch-deutschen Gottesdienst erfahren.

So freuen wir uns auch sehr darüber sehr, dass eine der drei neuen Glocken die Inschrift trägt: Heilige Anna und Glocke der Versöhnung. Dies schätzen wir sehr als verbindende, eindrucksvolle Geste der Versöhnung.

Ich wünsche uns allen, liebe Landsleute, verehrte Anwesende, dass diese Glocken stets in einer friedlichen Zeit erklingen mögen.

Auch mögen die neuen Glocken für die auf den Friedhöfen ruhenden Vorfahren zum Gedächtnis läuten.

Ich danke Ihnen für Ihre geschätzte Aufmerksamkeit.

 

  

  

Die weitere Versöhnung besiegelnder Handschlag von Bgm. Hudousek mit Günther Wytopil jun.

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