Dr aale Veit

von Ortwin Pöter

 

Dar delle Maon waor eim Staddtla wull aolla Leuta bekannt. Ar wuhnte vanna eim Mettldarfe onderm „Riesner“-Barche nohnde bei der Fließe. Ma kaonn deechtisch soin, daoß dr Veit fier balle aolls a Helfe waor: ar kuun wawern – doas Waosser nee haala kunnda. Daos waor aower noch nee aolls! Ar taot a Bänderpootscha macha on maonches andre mähr.

 

Aimool rief mich dr Vaoter zu sich aon soite: „Hier hast Du eine Aktentasche mit Heften, die mußt Du jetzt zu dem alten Veit bringen. Er soll sie binden. Er weiß Bescheid, ich habe alles mit ihm besprochen. Du gehst also bis Habe nicht, dann den Weg hinter dem Werk hinunter und über die Brücke. Rechts steht das Haus der Familie Huml und Du gehst links unter dem „Riesner“-Berge ein Stückchen längs der Rokitenka aufwärts. Da steht das Haus des Weber´s Veit und übergibst ihm die Hefte“.

 

Gesoit, getoon. – Ich kaom ei a gruuße Stuuwe, uff dr lenka Seite staon dr gruuße Waabstuhl. Ei nemm Laawa haott ich bis dohie noch nie asuu a gruußes Holzgestelle ei ar Wonnstuuwe gesahn, s´ naohm ju baale da haolwa Raum ei. S´ waor aolls henne orntlich aon sauwer. Ob dr Veit eiletzich waor oder vrheuert, kaon ich nee soin. Ich gao m´ die Hefte, ar taot freundlich necka aon soite, ar weßt waos zo macha wäär.

 

Ich ging wieder zorecke.

 

A zeitlang drnooch kaom dar Maon zo ins on broochte zwee Bicher. Ar zeichte m´ Vaoter, daoß, daoß die Ecka aon die Recke schien miet Kaliko aogesaotz sein aon die Kanta a glaott wärrn. Dr Vaoter bsaoch sich die Arbt aon ich saoch mr drweile da Maon ao: ar waor mettlgruuß, a aoschgrauer, zweezepplicher Baort stuun m´ gutt zo Gesechte.

 

Dr Vaoter kaom aus semm Zemmer wieder aon soite: „Die Arbeit ist gut!“ an gao m´ merh Geld aols a fordern taot. Do wurr daos Mannla glei a poor Zentimeter grisser, ar bedankte sich, saotze die Metze uff aon ging.

 

Ich soite som Vaoter: „Warum hast Du ihm mehr Geld gegeben, als er gefordert hat?“ Der Vaoter soite: „Weißt Du, das ist so: Ich könnte ja hier im Städtchen einem Buchbinder diese kleine Arbeit geben. Aber dieser fleißig Mann muß sich bemühen, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Deshalb habe ich ihn genommen und er hat seine gute Arbeit auch einen guten Lohn bekommen.“

 

Anmerkung: „Dr aale Veit“ namens Josef Veit lebte als zurückgezogener Mensch im Mitteldorf Nr. 64. Er war einer der letzten Weber im Adlergebirge. Mit allerlei Nebentätigkeiten wie mit Bücherbinden auch Kochtöpfe und Pfannen flickend stellte er seinen kargen Lebensunterhalt sicher. Ortwin Pöter wohnhaft in Ennigerlohe, stammt aus Rokitnitz Nr. 72. Der Vater des Autors, Josef Pöter, war Leiter der hiesigen Volksschule von Rokitnitz. Die Begebenheit ereignete sich in den späten 30er-Jahren.

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