Historische Notizen über die Pfarrkirche

Aller-Heiligen-Gottes zu 
Rokitnitz in Böhmen

 

 

Zusammengestellt
 nach Urkunden des Pfarrarchivs im Jahre 1869 bei Gelegenheit der Renovierung und feierlichen Einweihung derselben 
von Pfarrer
 Anton Karger

Prag, 1871 
Druck von Gottlieb Schmelkes

Gewidmet Josef Alois Christen, Kaufmann in Prag

Übertragen von Günther Wytopil jun., Breuberg im Februar 2010

 

Die Pfarrkirche zu Rokitnitz gehört zu den ältesten Kirchen in Böhmen und kommt bereits in einem Verzeichnis der Pfarrkirchen Böhmens vom Jahre 1384 vor. Als besondere Wohltäter der Kirche werden die Herren von Muttina im vierzehnten Jahrhundert gerühmt, welche zugleich die ältesten bekannten Besitzer der Herrschaft Rokitnitz waren. Aus einer Notifikation vom 30. April 1662 des Herrn Otto Freiherrn von Nostitz über den Brand von Rokitnitz im Jahre 1661 geht hervor, daß damals die uralte hölzerne Begräbniskirche mit abbrannte, die Pfarrkirche aber, samt dem Schloss und einigen geringen Gebäuden bei der Pfarrkirche, erhalten blieb. Nun aber war, wie aus der ältesten Matrik der Pfarre vom Jahre 1636 erhellt, die Schloss- und gegenwärtige Begräbniskirche unter dem Titel der heiligen Dreifaltigkeit lange Zeit Pfarrkirche, da der damalige Besitzer und Herr Johann Niklas Freiherr von Nostitz und Rhinek, welcher dieses Gut von einem Herrn Joachim von Ziegler 1627 ankaufte, daselbst die Pfarre neu stiftete.

Der Protestantismus hatte auch hier wie in den Nachbarorten zahlreiche Anhänger gefunden, und so war auch in Rokitnitz ein Pastorat errichtet worden.

Die nunmehrige Begräbniskirche der heiligen Dreifaltigkeit war ursprünglich ein protestantisches Bethaus. Dafür sprechen die Bauart als auch andere Anzeichen der Kirche. Eine Inschrift im Turme besagt, daß derselbe im Jahre 1605 von Christophorus Ritter von Mauschwitz und Armenrhu, welche Familie seit dem Jahre 1585 im Besitze der Domäne erscheint, an der Nordseite des Kirchenschiffes erbaut wurde, welcher Anbau jedenfalls später geschah, indem dadurch ein großes Fenster der Kirche verbaut worden ist.

Und so ist es erklärlich, auf welche Weise der kleine Ort in den Besitz zweier Kirchen gelangte. Die Katholiken hatten ihre alte hölzerne Kirche mit dem Friedhofe um dieselbe an jener Stelle, wo heute die Pfarrkirche steht; die Protestanten hingegen bauten für sich ein Bethaus, welches später in eine katholische Kirche umgewandelt wurde, durch den Anbau des Turmes ein stattliches Ansehen erlangte, und statt der uralten hölzernen Kirche Aller-Heiligen-Gottes unter dem Titel „Sct. Trinitatis“ zur Pfarrkirche erhoben wurde, während die ursprüngliche, wahrscheinlich baufällige Pfarrkirche als Begräbniskirche benutzt wurde, bis sie 1661 niederbrannte.

Zur Zeit des dreißigjährigen Krieges war Rokitnitz lange Zeit eine Filiale von Grulich, von wo aus nach einer Zwischenzeit von 8 bis 10 Wochen ein katholischer Priester zur Abhaltung eines Gottesdienstes erschien. Es ist daher begreiflich, daß, wie die Errections-Urkunde der Pfarre sagt, die Gläubigen sehr dürftig unterrichtet waren, und daß die Zahl der vom katholischen Glauben Abirrenden eine ansehnliche blieb, obwohl die Priester des Jesuiten- und Franziskaner-Ordens aus Glatz gegen Ende des sechzehnten Jahrhunderts um die Bekehrung zum Katholizismus hier und in der Umgegend sich große Verdienste erworben hatten. Diese Umstände bewogen den damaligen Besitzer und Herrn zu Rokitnitz, Johann Nicolaus Freiherrn von Nostitz und Rhinek, für die religiösen Bedürfnisse seiner Domäne Sorge zu tragen und eine geordnete Seelsorge zu begründen, indem er im Jahre 1636 bei der Kirche Sct. Trinitatis eine Pfarre stiftete, welche Kirche auch bis zum Jahre 1684 Pfarrkirche blieb, bis zu welcher Zeit die angestellten Seelsorge sich Pfarrer bei der Kirche der heiligen Dreifaltigkeit genannten.

Von diesem Zeitraume angefangen fungierten der Reihenfolge nach die nachbenannten, bei der Pfarrkirche angestellt gewesenen Seelsorger:

  1. Friedrich Wilhelm Crusius 1636
  2. Kaspar Adalbert Klessel 1648
  3. Martin Franz Pabel 1653
  4. Christoph Florian Blasius Drick 1669
  5. Elias Scheps 1678
  6. Michael Czakert 1697
  7. Anton Hoffmann 1706
  8. Christoph Ferdinand Richter 1721
  9. Johann Josef Greger 1739
  10. Ignaz Franz Kuben 1741
  11. Johann Franz Taiber 1745 aus Rokitnitu
  12. Ignatz Stehr 1781 aus Krohnstadt
  13. Anton Stenzel 1802 aus Markersdorf
  14. Franz Schmidt 1832 aus Dittersdorf
  15. Anton Karger 1865 aus Lichtenau

Nachdem durch den verheerenden Brand vom Jahre 1661 am 26. Juli, welcher das ganze Städtchen einäscherte, auch die uralte hölzerne Kirche ein Raub der Flammen geworden war, begann man im Jahre 1679 die gegenwärtige Pfarrkirche neu zu bauen, welche nach und nach erweitert und im Jahre 1864 so weit eingerichtet war, daß sie am 11. Juni desselben Jahres eingeweiht und der Gottesdienst daselbst abgehalten werden konnte. Der Turm wurde im Jahr 1736 zugebaut. Sie steht an jener Stelle, wo die ursprünglich hölzerne Pfarrkirche Aller-Heiligen-Gottes gestanden war, am nordöstlichen Teil des Ringplatzes, von welchem sie gleichsam das Eckhaus bildet, zählt auf jeder Seite sieben halbrunde Fenster und ein großes Fenster über dem Haupttor. Nebst diesem hat sie noch zwei Seitentüren, zwei Eingänge beim Presbyterium und zwei Oratorien; sie ist mit Schindeln gedeckt, das Presbyterium gewölbt und das Schiff der Kirche mit einer Rohrdecke versehen. Auf dem großen Altar „Aller-Heiligen-Gottes“ befanden sich laut ältestem Inventar der Kirche die geschnitzten Statuen des heiligen Christophorus und Wenzeslaus nebst einem grünen vergoldeten Tabernakel. Außer dem Hochaltar sind noch zwei Seitenaltäre. Bei jenem mit dem Bilde der heiligen Anna standen zu beiden Seiten zwei große geschnitzte Engel, obenauf zwei kleinere kniende Engel mit der Statue des heiligen Johann des Täufers und ein ovales Bild des heiligen Anton von Padua. Der andere Seitenaltar zu Ehren der heiligen Märtyrerin Barbara hat ebenfalls ein ovales Bild des heiligen Johann von Nepomuk. Neben diesem Altare standen ursprünglich auf Postamenten zwei große Statuen des Heiligen Joseph und heiligen Johann von Nepomuk, in der Mitte aber befanden sich zwei kleinere Statuen der heiligen Katharina und Maria Magdalena, ein wenig höher zwei größere Engel, über diesen zwei kleinere Engel und ganz obenan die Statue des heiligen Erzengel Michael. In der Mitte der Kirche, wo der Rundbogen der Wölbung in ́s Presbyterium beginnt, hing ein größeres Kruzifix. Im Jahre 1794 wurde der schadhaft gewordene Hochaltar samt dem Altarbild „Aller-Heiligen-Gottes“ beseitigt und in der Filial-Kirche Sct. Trinitatis neben der Kanzel aufgestellt, wo er sich noch gegenwärtig befindet. Die Bildhauerarbeit des neuanzufertigenden Hochaltars hatte ein Bildhauer aus Jawornitz bei Reichenau Namens Joseph Steiner, um 140 fl. Rheinisch mit ratenweisen Zahlungen übernommen und am 6. August 1795 vollendet, wo ihm die letzte Rate von 21 fl. ausgezahlt wurde. Statt des defekt gewordenen Brustbildes „Aller-Heiligen-Gottes“ ist ein neues, die heilige Familie

darstellendes Hochaltarbild angeschafft worden, welches von dem prager Maler Franz D. Fahrenschon um den Betrag von 250 fl. angefertigt wurde, und es wurden demselben laut vorliegenden Quittungen am 4. Mai 1975 von dem Rokitnitzer Bürger Herrn Joseph Netoltzky zur Sicherheit im Voraus 100 fl. ausgehändigt, und am 2. September 1795, wo dieses Bild schon fertig war, von dem Rokitnitzer Bürger Herrn Franz Christen die noch rückständigen 150 fl. ausgezahlt.

Herr Franz Christen, Kaufmann in Rokitnitz, war es auch, welcher den Transport des Bildes von Prag besorgte und dasselbe nach Rokitnitz glücklich überbrachte, wo es in feierlicher Prozession in die Kirche übertragen wurde. Die sämtlichen Auslagen (wie es ein spezielles Verzeichnis ausweist) wurden von einzelnen Wohltätern und dann durch Sammlungen in den Gemeinden und in der Kirche bestritten.

Im Jahre 1845 wurden die zwei Seitenaltäre, nämlich jener der heiligen Mutter Anna und der heiligen Märtyrerin Barbara, da dieselben ganz vom Holzwurm zernagt waren, abgetragen und statt derselben neue Altäre angefertigt. Die Tischler- und Bildhauerarbeit lieferte der Tischlermeister Herr Raimund Volkmer in Reichenau; die Renovierung der schadhaften Bilder aber ist von dem Maler Herrn Johann Worlicka, und die Staffierung von Herrn Franz Heckerlik, beide aus Gabel bei Landskron, bewerkstelligt worden und betrug der Kostenpreis zusammen 424 fl. 24 kr. Conv. Mze.

Zur Bestreitung dieser Auslagen schenkte der aus Rokitnitz stammende Deficienten-Priester und Local-Kaplan aus Knappendorf Herr P. Anton Michalitschke 200 fl. Conv. Mze., wozu noch Legat pr. 20 fl. Conv. Mze. vom hierortigen Pfarrer Anton Stenzel und ein weiteres Legat pr. 20 fl. C. Mz. nach der Witwe Frau Barbara Schnaupelt kamen. Der Rest pr. 183 fl. 50 kr. C. Mz. wurde durch Sammlungen in den Gemeinden und durch Opfergänge in der Kirche zusammengebracht.

Im Jahre 1857 wurde an Stelle des schadhaft gewordenen Kreuzweges, durch den unermüdlichen Eifer des damaligen Kaplans Herrn P. Franz Eixner auf dem Wege durch Sammlungen und durch einzelne Wohltäter, ein neuer Kreuzweg angeschafft, welcher von dem Maler Herrn Johann Worlicka in Gabel gemalt und am 3. Dezember 1857 eingeweiht wurde. Auf gleichem Wege hat derselbe auch noch mehrere schöne kostbare Kirchenparamente beigeschafft. Um diese Zeit wurden auch durch von demselben eingeleitete Sammlungen die zwei Bilder Maria Virgo Immaculata und Maria die Königin des Rosenkranzes und jene größeren Bilder Sct. Blasius und Sct. Valentinus (welch ́ erstere beide von Herrn J. Kokes aus Slatinan bei Thrudim und letztere beide von J. Worlitcka aus Gabel gemalt wurden), und im Jahre 1867 vom Grundbesitzer Wenzel Blümel aus Niederdorf das Bild der schmerzhaften Mutter Gottes, von J. Jansa aus Gabel gemalt, neu angeschafft. Auch Frau Johanna Bier, gräfliche Nostitz ́sche Inspectors-Gattin, hat der Pfarrkirche im Laufe der Jahre wertvolle Kirchen-Paramente zum Geschenk gemacht und verdient deshalb eine ehrenvolle Erwähnung.

Das Orgelwerk wurde im Jahre 1752 neu aufgestellt und soll in Grulich angefertigt worden sein. Es hatte ursprünglich vierzehn Mutationen und wurde im Jahre 1814 über Veranlassung des Pfarrschullehrers Herrn Franz Pehl in Rokitnitz mittelst milder Spenden, wozu den größten Teil Se. Excellenz Herr Josef Reichsgraf von Nostitz-Rhinek als Erb- und Patronal-Herr beitrug, durch den Rokitnitzer Orgelbauer Herrn Georg Spanel mit einem Positiv vergrößert und vervollkommnet, so daß das Orgelwerk 22 wirkliche Stimmen und einen Tremulanten erhielt.

Der Kirchturm ist ein Bestandteil der Kirche, und es befinden sich auf demselben drei Glocken, von denen die größte zwei Zentner wiegt und nachstehende Inschrift trägt: Sancti Joannis Babtista & scti. Joannis Nepomuceni goss mich Mich. Sigmund Kerke in Brünn 1730. Die zweite Glocke wiegt ein

Zentner und hat die Inschrift: Sancta Anna ora nobis 17 S. K. 18. Die dritte und kleinste Sterbeglocke mit der Inschrift: Valentin Lissak goss mich auf der kleinen Seite in Prag 1736, wiegt 80 Pfund.

Obwohl in den letzten Jahren unter dem Pfarrer und Personal-Dechant Herrn Franz Schmidt so manches zur Verschönerung der Kirche geschehen war, so blieb doch noch vieles zu wünschen übrig; besonders waren die Verzierungen um den Rahmen des Hauptbildes so vom Wurme angefressen, dass sie stückweise abfielen. In dieser bedrängten Zeit wäre es wohl schwer hergegangen, etwas Bedeutendes zur Verschönerung des Gotteshauses zu bewerkstelligen, wenn nicht göttliche Vorsehung einen eben so edlen als opferwilligen Wohltäter erweckt hätte, welcher allein mehr getan hat, als die ganze Kirchengemeinde zu leisten im Stande gewesen wäre.

Derselbe hatte es sich zur ehrenvollen Aufgabe gemacht, dieses Gotteshaus, in welchem er am 2. Dezember 1798 getauft wurde, in seinen sämtlichen Bestandteilen von innen und außen einer gründlichen Renovierung und geschmackvollen Verschönerung zu unterziehen, um damit seiner Vaterstadt ein bleibendes Denkmal seines frommen Sinnes zu hinterlassen.

Es ist der von Rokitnitz gebürtige prager Kaufmann, Herr Josef Alois Christen.

Die Renovierungsarbeiten begannen im September 1868.

Es war im September 1795, wo der Vater dieses Wohltäters Herr Franz Christen, Kaufmann in Rokitnitz, das neu angefertigte Hauptbild der heiligen Familie von Prag nach Rokitnitz überbrachte; und nach 73 Jahren ist es dessen Sohn, Herr Josef Alois Christen, über dessen Veranstaltungen dasselbe Hauptbild wieder im Monate September 1868 den Weg nach Prag machte, wo es, samt den Brustbildern der Seitenaltäre: der heiligen Barbara und der heiligen Anna, und den ovalen Bildern Sct. Anton von Padua und Sct. Johann von Nepomuceni, von dem kunstverständigen Maler Herrn Peter Eduard Misselbeck einer gründlichen Restaurationen unterzogen wurde, und erscheinen sämtlichen Bilder fast wie neu.

Außer Herrn Peter Eduard Misselbeck, Maler und Restaurateur in Prag, haben sich noch nachstehende Firmen durch ihre Leistungen für die Pfarrkirche, wie diese aus den dreien in das Pfarrarchiv zum ewigen Gedenken hinterlegten Schriftstücken (einem Verzeichnis sämtlicher Gegenstände, ferner ein Kosten-Verzeichnis derselben im Betrage von 8825 fl. 60 kr. öst. Währ., dann einem Memorandum über Lob und Tadel und besondere Verdienste) ersichtlich sind, verdienstlich gemacht, und zwar:

Herr Kas Johann, Bildhauer in Prag;
Herr Kostecka Wendelin, Staffierer, Vergolder und Lackierer in Prag;

Herr Kerabek Ignaz, Maler in Prag;
Herr Koller Friedrich, Glasermeister in Prag;
Herr Mascha Wenzel, Zementfabrikant in Prag,
Herr Thomas Gottlieb, Tischlermeister in Prag;
Herr Kandler W., Architekt und Altertums-Conservator in Prag; Herr Wessely Paul, Schlossermeister in Prag;
Herr Volkmer Raimund, Tischlermeister in Reichenau;
Herr Duschanek Carl, Tischlermeister in Rokitnitz;

Herr Sellinger Robert, Spenglermeister in Senftenberg;
Herr Schiffner Karl, Orgelbauer in Prag,
Herr Stöhr H. Franz, Blechblasinstrumenten-Fabrikant in Prag; Herr Martinka Ludwig, Holzblasintrumenten-Fabrikant in Prag; Herr Herrmann J. S., Gold- und Silberplattirfabrik in Wien; Herr Palme Reinhold, Glasfabriks-Niederlage in Prag;

Herr Nowak Anton, Gürtler in Prag.

Besondere Verdienste haben sich in ersten Reihe, wie aus dem im Pfarrarchiv hinterlegten Memorandum ersichtlich ist, durch ihre Fürsorge und Leistungen um dieses Liebeswerk erworben:

Der hochgeborene Herr Josef Graf von Nostitz-Rhinek als Besitzer und Herr der Domäne Rokitnitz und Patron der Kirche; ferner Herr Amts-Director Josef Papes in Vertretung des Hochgeborenen Herrn Grafen bei dem hohen Feste der Kircheinweihe und als Fest-Arrangeur im Vereine mit dem Herren- und Damen-Fest-Comité; dann Herr Anton Michalitschke, gräfli. Nostitz`scher Rentamts- Verwalter, welchem in Anbetracht seiner bei der Kirchen-Renovierung geleisteten ersprießlichen Dienste auch von der geistlichen Behörde und löblichen Stadtvertretung belobende Anerkennungen zu Teil wurden.

Sämtliche Renovierungs- und Restaurierungs-Arbeiten waren bis zum 29. August 1869 vollendet, an welchem Tage die feierliche Einweihe der Kirche nach erlangter Ordinariats-Bewilligung vom Hochwürdigen Herrn Bezirksvikar und Dechant in Geiersberg Anton Buchtel , im Beisein der Geistlichkeit aus der Umgegend, der Honorationen des Ortes und einer zahlreichen Volksmenge aus Nah und Fern, vollzogen wurde.

Die Feierlichkeit begann mit einer Prozession aus der Begräbniskirche unter Vortritt der Schuljugend und der Zünfte mit ihren Fahnen. Nach vollendeter Einweihungs-Zeremonie wurde dem hochverehrten Gönner und Wohltäter der Kirche Herrn Josef Alois Christen ein Belobungs-Dekret von Sr. Excellenz dem hochwürdigen Bischof von Königgrätz, dessen Freude es ist, um die Kirche verdiente Männer auszuzeichnen, durch den bischöflichen Herrn Vikar Anton Buchtel unter einer passenden Ansprache überreicht, an welchen Akt anknüpfend der hochwürdige Herr P. Georg Kotysa, Redemptoristen-Priester in Wien, welcher zu dieser Feier eigens in seine Vaterstadt gekommen war, ein Herz und Geist ansprechende Festrede hielt, worauf das feierliche Hochamt und Te Deum laudamus von dem hochwürdigen Herrn Bezirksvikar Anton Buchtel unter zahlreicher Assistenz abgehalten wurde, bei welchem der Wohltäter der Kirche Herr Josef Alois Christen, der zugleich einen Ruf als Organist besitzt, die Orgel spielte. Am Vorabende des Festes wurde die Stadt illuminiert, Böller gelöst und mit allen Glocken geläutet.

So endigte das solenne (feierliche), für alle Pfarrkinder unvergessliche, denkwürdige Kirchweihfest, welches zur Erinnerung alljährliche am Jahrestage zu feiern, unter Zustimmung der Ortsbehörde, zum Beschluß erhoben wurde.

Nachträglich muß noch bemerkt werden, daß der edle Wohltäter Herr Josef Alois Christen, nachdem alle Restautrierungs- und Renovierungs-Arbeiten schon vollendet waren, im Jahre 1870 eine Zementpflasterung in der Kirche legen, und durch den Tischlermeister Herrn Raimund Volkmer ganz neue Kirchenstühle anfertigen ließ, die sodann von Herrn Wendelin Kostecka aus Prag auf eine eben so passende als dauerhafte Art lackiert wurden.

So gestaltete sich schon der erste Jahrestag der Kircheinweihe zu einem neuen Feste der Freude und des Dankes, um so mehr, da der edle Wohltäter Herr Josef Alois Christen seine Vaterstadt und die ganze Kirchengemeinde mit seinem Besuche erfreute und der Kirche abermals neue Geschenke mitbrachte.

Am Schlusse dieser merkwürdigen Kirchengeschichte verdient noch hervorgehoben zu werden, daß Herr Josef Alois Christen außer einem herzlichen, freundlichen Empfange von Seiten der ganzen Einwohnerschaft und vielen anderen Ehrenbezeugungen auch noch die besondere Auszeichung zu Teil wurde, indem ihm von der löblichen Ortsbehörde durch ihren Bürgermeister Franz Christen, in meinem Beisein als Ortspfarrer und der sämtlichen Herren Gemeinde-Repräsentanten und Vorstände aller eingepfarrten Gemeinden, das Ehrenbürger-Diplom unter einer gediegen Ansprache feierlich überreicht worden ist.

Rokitnitz, am 20. August 1871.

Anton Karger,

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